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Bloggerinnen schenken Lesefreude: Claudia Breitsprecher: Hinter dem Schein die Wahrheit

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In ihrem neuen Roman wirft Claudia Breitsprecher einen Blick zurück in die 1980er Jahre und erzählt von der Freundschaft dreier Jugendlicher und deren Leben in einem kleinen Dorf, deren enges Band auch Jahrzehnte später als Erwachsene noch Bestand hat. Als der Sohn der einen verschwindet, werden  Erinnerungen wach.

Annette war die, die Träume hatte. Und wenn sie sie nicht selber umsetzen konnte, suchte sie sich jemand dafür. Wenn sie meinte, nicht selber fliegen zu können – „es konnten nun einmal nur Männer Piloten sein“ –, dann bearbeitete sie halt ihren Freund Holger so lange, bis der sich dafür hergab, den Piloten zu spielen. Während ihrer Grundschulzeit verbrachten sie so die Pausen auf einem Ast eines Baumes, bis eine Neue in die Klasse kam: Karin. Auf Dauer entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen den drei so grundlegend verschiedenen Kindern bzw. Jugendlichen. Annette verließ das Dorf und die damit verbundenen Konventionen; sie zog nach Berlin, wo sie ihre Liebe zu Frauen endlich ausleben konnte. Karin hingegen musste ihren Traum vom Ballett aufgeben und blieb in den Fängen ihrer Familie und des Dorfes zurück. Holger wollte Pfarrer werden, aber auch sein Traum löste sich auf, nachdem er vom Geheimnis seiner Herkunft erfahren hatte, bis er begriff, „dass unter dem Kreuz kein Frieden war“. Auch er verließ das Dorf, kehrte aber später wieder zurück.

Diesen Hintergrund der drei erfahren wir in einzelnen Episoden, die in die heutige Handlung eingeflochten sind, die 2014 spielt. Die Geschichte rankt sich um Karins siebzehnjährigen Sohn Jacob, der ohne ein Wort untertaucht, nachdem er von Schulkameraden zusammengeschlagen wurde und befürchtet, als schwul geoutet zu werden. Er wird erst einmal nicht mit dieser Situation fertig und versucht sich, ihr zu entziehen, und hat in dem Moment das Gefühl, niemandem vertrauen zu können.

Als Karin die Ungewissheit über ihren verschwundenen Sohn nicht länger aushält, zeigt sich, wie nahe ihr Annette noch immer steht: Sie kann sie mitten in der Nacht anrufen und ihre Ängste um ihren Sohn mit ihr teilen, während sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen kann, ihren Mann, der sich in Prag aufhält, zu benachrichtigen. Und Annette macht sich auch gleich auf den Weg nach Eschenreuth, das 400 Kilometer von Berlin liegt, „wo die Hügel, die Häuser und die Straßen alte Geschichten flüsterten“. Wieder einmal mehr hat Karin das Gefühl, durchgefallen zu sein, ein Gefühl, das sie bereits lange Zeit quält: „Sie hatte es ignoriert. Sie hatte es fortgeschoben. Sie hatte es für lächerlich befunden und wieder und wieder das Gegenteil zu beweisen versucht.“ Im Laufe der Rückblicke wird deutlich, wo diese Befürchtung zu versagen herkommt. Aber sie – wie auch Annette und Holger – müssen sich dieser Extremsituation stellen, was bei allen zu Veränderungen im eigenen Leben führt. Für alle wird es zu einer Umbruchszeit: Sie stellen sich ihren jeweiligen Ängsten und gehen – wenn auch erst einmal gedanklich – neue Wege. Und letztendlich finden sie auch Jacob, der nach einem Krankenhausaufenthalt und einem so nicht geplanten unfreiwilligen Coming-out erst einmal sein Leben neu sortieren muss.

Sehr eindringlich beschreibt Breitsprecher das katholisch geprägte Dorfleben, das damals wie heute von Schweigen geprägt ist. Eher wird mit anderen gesprochen als mit den Betroffenen selber, eher gebeichtet, als mit FreundInnen gesprochen. Wer in einem solchen Milieu aufgewachsen ist, wird vieles davon wiedererkennen, vor allem wie beschränkt ein solches Leben ist, zu welcher Einsamkeit dies führen kann. Langsam lernen die ProtagonistInnen jedoch, sich anderen anzuvertrauen, lange Verschwiegenes endlich auszusprechen und neue Möglichkeiten einer Verständigung auszuprobieren.

Und in einem dramatischen Showdown stellt sich Karin auch ihrem Vater, einem Patriarchen, der meint über andere bestimmen oder sie lächerlich machen zu können. Für ihren Sohn schafft sie, was ihr für sich selber nicht gelungen war: ihm Paroli zu bieten. Für sie ist klar, dass sie nicht zulassen wird, dass er noch weiter verletzt wird.

Ein Buch, das Hoffnung verbreitet, ohne Probleme zu bagatellisieren, das aufzeigt, dass alle ihren eigenen Weg finden müssen – auch wenn das manchmal heißt, Träume zu begraben – und dass dieser sehr unterschiedlich aussehen kann. Und wie wichtig dabei die Unterstützung und das Angenommenwerden von anderen sind.

Ein Exemplar des Buches gewinnen – #bloggerschenkenlesefreude

Im Rahmen der Aktion Bloggerinnen schenken Lesefreude, an der wir uns mit unserem BücherFrauen-Blog beteiligen, habt ihr die Möglichkeit, dieses Buch zu gewinnen. Bitte kommentiert unter diesem Beitrag, warum gerade ihr Hinter dem Schein die Wahrheit gewinnen möchtet. Mit eurem Kommentar nehmt ihr dann an der Verlosung teil. Es kann bis zum 7. Mai kommentiert werden. Anschließend wird die Gewinnerin/der Gewinner ausgelost. Viel Glück!

Zur Autorin: Claudia Breitsprecher, Jahrgang 1964, lebt in Berlin und studierte Soziologie, Psychologie und Politik. Nach dem Abschluss als Diplom-Soziologin folgten berufliche Tätigkeiten im Bildungs- und Sozialbereich. Seit Ende der 1990er schreibt sie sowohl Prosa als auch Sachbücher. Nach Kurzgeschichten in Anthologien erschien 2005 mit Vor dem Morgen liegt die Nacht ihr erster Roman, ein weiterer schloss sich 2011 mit Auszeit an. Für diesen wurde sie 2012 von der Autorinnenvereinigung e.V. als Autorin des Jahres ausgezeichnet.

 

Claudia Breitsprecher: Hinter dem Schein die Wahrheit. Roman

Krug & Schadenberg 2017

Paperback. 302 Seiten

ISBN 978-3-95917-007-9

Euro 16,90

 

 

 

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Doris Hermanns

Autorin: Doris Hermanns

Doris Hermanns lebt nach 25 Jahren als Antiquarin in Utrecht/Niederlande seit 2015 in Berlin. Sie ist als Redakteurin, Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin tätig. Seit 2000 ist sie in der Redaktion der Virginia Frauenbuchkritik, seit 2012 in der Redaktion des Online-Magazins AVIVA-Berlin. Zahlreiche Porträts von Frauen bei www.FemBio.org. Sie veröffentlichte u. a. die Biografie der Schriftstellerin und Tierbildhauerin Christa Winsloe sowie deren Feuilletons. 2017 erschien ihre Übersetzung von "Bibliodiversität. Manifest für unabhängiges Publizieren" von Susan Hawthorne. Derzeit Städtesprecherin der BücherFrauen in Berlin.

41 Kommentare

  1. Hallo des würd ich halt gern mal lesen
    eine schöne zeit
    stefan

  2. ich liebe Bücher, die Lebensmut wecken

  3. ich kenne das Buch noch nciht und da ich bald in den Urlaub fahre , könnte ich guten Lesestoff gebrauchen

  4. Weil der Gewinn mich ein bißchen glücklicher machen würde.

  5. Also, wenn ich das Buch nicht schon kennen und lieben würde, dann würde ich es auch sehr gern gewinnen wollen! Danke für die schöne Buchvorstellung, liebe Doris Hermanns, die echt Leselust weckt!

  6. Das Buch ist bestimmt ganz toll und ich würde es sehr gerne gewinnen

  7. Erkenntnisse über das eigene Leben sind eben nicht immer einfacht. Ähnlich verhält es sich erst recht mit Veränderungen, denn erst sie bewirken einen möglichen Wandel und führen nicht selten zu mehr Zufriedenheit.

    Ich kannte das Buch bisher nicht. Doch die Vorstellung der Geschichte klingt spannend. Wahre Freundschaft kann also doch über Jahrzehnte bestehen bleiben; auch wenn man sich manchmal für eine gewisse Zeit aus den Augen verliert. Verbundenheit und Vetrauen bleibt ja dennoch bestehen.

    Eine wunderschöne Buchauswahl anlässlich des Welttag des Buches.

  8. Hallo,

    da versuche ich auch gern meinGlück. Das Buch hört sich besonders an und da ich auch katholisch bin interessiert es mich sehr.
    LG von Elke
    becjat(at)yahoo.de

  9. Ich würde es gerne lesen, weil es das neue Buch einer spannenden Autorin ist, die es in den bisherigen Büchern prima geschafft hat, authentisch über Lebensentwürfe zu berichten und dabei unglaublich spannend schreibt. Wunderbar. Würde mich sehr freuen!

  10. Hallo,
    ich lese jeden Tag, deshalb suche ich immer gute Bücher.

  11. Hallo
    sehr schöner Beitrag über das Buch!
    Finde es toll das Du dir so viel Mühe machst Bücher vorzustellen.
    Mach weiter so.
    Wäre toll es bald in den Händen zu halten.
    Viele liebe Grüße

  12. Es kann nie genug Bücher über Frauenfreundschaften geben! Und lesen würde ich es auch gerne. 🙂

  13. Würde ich gerne lesen

  14. Ich möchte das Buch gewinnen weil es immer gut zu wissen ist wie man Schein und Wahrheit auseinandkennt. ich habe in meinem Leben schon so viel Lehrgeld bezahlt da wäre eine Gebrauchsanweisung dringend nötig!

  15. schöner Preis, bin eine Leseratte, kenne die Autorin noch nicht

  16. ich finde Geschichten über Coming-outs sehr spannend, deshalb interessiert mich dieses Buch!

  17. Gerne neuen Lesestoff für die lauen Sommerabende 🙂

  18. weil ich sie noch nicht kenne

  19. weil ich es nicht kenne

  20. weil ich Bücher mit ungewöhnlichen, gut erzählten Geschichten mag, und die Rezensionen bei diesem Buch sprechen dafür

  21. Das klingt nach einem spannenden Buch über ein Thema mit dem ich mich bis jetzt noch nicht so viel beschäftigt habe

  22. Hallo,
    mich interessiert das Buch sehr. Ich komme aus einem Katholischen Dorf wie oben in der Rezension beschrieben. Es schein, dass die Autorin die Atmosphäre gut getroffen hat. Das würde mich brennend interessieren.

  23. Ich bin auch in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Katholisch geprägt. Meine beste Freundin ist nach Berlin gegangen, während ich in der Enge der Familie aufgewachsen bin. Der Rest ist bei mir nicht so spannend. Wohl aber sicher dieses Buch – es würde mich sehr interessieren, welche Wege die Freunde gegangen sind. Sicher finde ich mich darin wieder. Würde mich sehr freuen!

  24. Ich erkenne mich in dem Buch wieder, da ich meine Jugend auch in den 80ern verlebt habe und Parallelen zu mir sehe.

  25. Hallo,

    vielen Dank für die Verlosung, ich würde gerne teilnehmen, da mich vor allem die Schilderung des Dorflebens neugierig gemacht hat…

    LG (Tiffi20001@gmx.de)

  26. Ich lese gern. Warum nicht das!?

  27. Das Buch klingt interessant. Würde ich gerne gewinnen.

  28. Das Buch hört sich sehr interessant an. Würde ich gerne lesen.

  29. Das Buch hört sich interessant an, und ich kann gar nicht so viele Bücher kaufen, wie ich gerne lesen würde, da hilft nur gewinnen 😉

  30. Ich lese sehr gern und viel und der Titel klingt verheißungsvoll…

  31. Ein Buch,das Hoffnung verbreitet…ein sehr schöner Schlußsatz.Man ist befreundet, jeder geht seinen eigenen Weg und dann kommt plötzlich wieder ein Zusammentreffen.Dieses Thema lese ich gerne und würde mich über das Buch freuen

  32. Würde das Buch gern lesen

  33. Die Buchbesprechung macht so eine Lust, dieses Buch zu lesen und ich würde mich sehr darüber freuen.

  34. Da mache ich doch mal mit!

  35. Ich finde, dass sich der Roman sehr interessant anhörtund würde ihn gerne beim Chillen auf unserer Terrasse lesen.

  36. Ich sammel Bücher von Autoren welche ich noch nicht kenne

  37. Doris Hermanns

    Allen, die Kommentare hinterlassen haben, ganz herzlichen Dank für’s Mitmachen. Und vielen Dank für eure lobenden Wort zu meiner Rezension. Die Gewinnerin ist inzwischen ausgelost und benachrichtigt worden. Für alle anderen zum Trost: Das Buch gibt es auch im Buchhandel.

  38. genau das was ich gerade brauche um wieder meinen Weg zu finden!

  39. Ich bin eine totale Leseratte deswegen würde ich mich ja so arg freuen <3 Wow 😍 was für ein super tolles Gewinnspiel von euch 👌💋🔥 Der Gewinn ist ja mega klasse..!! ❤ Der Hammer!! Versuche sehr gerne mein Glück 🍀🍀🍀fest die Däumchen gedrückt ✊💖 würde mich riesig darüber freuen 😍😚 Danke euch dafür! Ihr seid Spitze 👍😊

  40. Ich lese solche Bücher wirklich gerne und das Buch klingt sehr interessant 🙂

    Danke für die Verlosung und einen schönen Sonntag noch!

    LG Tobias

  41. Weil meine Frau und ich gerne lesen und unser Bücherschrank sich weiterhin gerne füllen darf =)

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