Digital Media Women auf der re:publica 2014

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Drei Tage re:publica 2014 – drei Tage im Flow. 5999 andere BesucherInnen schwärmen mit mir durch die loftigen Hallen der STATION-Berlin in Kreuzberg. Die Stimmung ist relaxt, ich vergesse die Welt da draußen, tauche ab ins Digitale und verfange mich in der Netzgemeinde. Klebe am Smartphone, tagge & twittere gegen das Schwallen & Slammen im Netz an. Strande mal an diesem, mal an jenem Podium. Meinen ausgeklügelten Plan für dieses FESTival kann ich getrost wegstecken: Zwischen den Bühnen schnappe ich, schnappen mich, kleine Freundesgrüppchen weg und wir formieren uns im Innenhof, zwischen all den anderen Geek- und Freak-Schwärmen, zum „wilden Bücherwürmerhaufen”. Wenn ein Würmchen abhanden gekommen ist, braucht es im Gewimmel nur dem karierten Hemd* zu folgen, dem Wildblümchenkleid** oder dem 5-Meter-Turm aus Kaffeepappbechern***, schon ist es wieder in der Family. Am zweiten plus dritten Konferenztag fokussiere ich mich endlich und erfolgreich auf die Digital Media Women und die Women in Tech. *Leander Wattig ** Wibke Ladwig ***Steffen Meier – hab euch alle lieb!

Digital Media Women

Auf Stage 4 powern am Konferenz-Mittwoch die Digital Media Women. Unglaubliche Frauen, deren Stories ich unbedingt erzählen muss. Die DMW haben sich vernetzt, um sich fordern & fördern, in der digitalen Sphäre präsenter machen und als Speakerinnen etablieren zu können. Das Konzept ist in den Lightning Talks auf der re:publica voll aufgegangen. Wir kriegen ordentlich was auf die Ohren: Kopfhörer, um die Geräuschkulisse außerhalb der Halle zu dämpfen, und die Stimme der Hamburgerin Sarah Pust, Moderatorin der Session. Schon die erste Repräsentantin des Netzwerks ist „total abgefahren”:

„Dirtgirl” Tina Meier

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Tina Meier ©2014martina-van-kann.de

Dranbleib-Expertin Tina Meier verdient als Business Coach sowie beim Finanzamt ihre Semmeln und mehr: Das ganze Jahr spart, rackert und sammelt sie für ihre Leidenschaft: die Rallye Dakar. Eine mörderische, gut 9000 Kilometer lange Route, auf der Tina die sandige Wildnis mit dem Dirtbike durchquert. Befragt, wie ihr Job mit diesem adrenalinhaltigen Hobby zusammengehe, antwortet sie trocken: „Buchhaltung und Wüste, beides staubig.” Wie sie diese Wahnsinnsstrecke im Stehen durchhalte? Sie lasse sich von den vielen begeisterten Zuschauern am Rand des Parcours’ tragen und führe Selbstgespräche, um den „drunken monkey”, wie sie ihren inneren Schweinehund nennt, mit virtuellen Bananen, also positiven Gedanken zu füttern. Im Netz hält sie per Social Media, Website und Blog Kontakt zu Fans, KundInnen und SponsorInnen, auch während des Rennens. Eine ihr wichtige Mission ist das Labdoo Hub Hamburg: Tina Meier sammelt ungenutzte Laptops, stattet sie mit Lernsoftware in der jeweiligen Landessprache aus und schickt sie in andere Länder zu Kindern, die dergleichen nicht besitzen.

Die EDITION F:

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Nora-Vanessa Wohlert ©Carolin Weinkopf

SusannHoffmann

©Susann Hoffmann
von EDITION F

„Das digitale Zuhause für Frauen, die mehr wollen – im Job und im Leben.” Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert launchen mit der EDITION F einen „Ort für Meinungen und Debatten rund um Wirtschaft, Politik, Karriere und Gesellschaft aus weiblicher Perspektive, um sie gemeinsam mit Frauen und Männern zu diskutieren.” Auch Produkte soll es hier geben, „die das Business-Leben schöner machen”. Die beiden Frauen starten zunächst mit einem Online-Magazin und einer Community. Noch in diesem Jahr sollen eine Jobbörse und ein kuratierter Marktplatz hinzukommen. Sie erzählen dem „re:publicanischen” Publikum, wie sie ihr Unternehmen gründeten und „raten” zum Stalking von Investorinnen und Investoren: Diese zu belagern sei schon mal erlaubt und könne durchaus zum Erfolg führen. Nur solle sich keine/r einengen lassen – falls entsprechende GeldgeberInnen die eigene Vision nicht teilten, gelte es „Nein” zu sagen.

Wefound – gibt Frauen eine Stimme

Franziska Nylen_Wefound

©Franziska Nylén

Val Racheeva_Wefound

©Val Racheeva

Franziska Nylén und Val Racheeva schufen mit Wefound eine Stiftung speziell für Unternehmerinnen und Frauen-Startups. Franziska fungiert als Public Speakerin und kommt auf englisch daher, mit einer recht dramatischen Rede. Die Frau strahlt eine immense  Power aus und weiß ihre Zuhörer durch Storytelling in Bann zu ziehen. Frauen zu ebensolcher Schlagfertigkeit, Durchsetzungskraft und Glaubwürdigkeit zu verhelfen, ist ihr Job. Sie trainiert mit ihnen Stimme, Sprache und Selbstbewusstsein: „We can not become successful by being well-behaved and conventional. Only by being ourselves.” konstatiert die Stiftung auf ihrer Website. Die Foundation organisiert Events, Panels und Workshops für angehende Unternehmerinnen. Franziska Nylén verspricht für alle nur erdenklichen Fragen weiblicher Entrepreneure in ihrer Organisation ein offenes Ohr. Geplant ist eine Unternehmens- und Fundingplattform im Netz, auf der frau mit einer „step-by-step toolbox” ihre Schritte von der Geschäftsidee bis zur Gründung planen kann.

Conni Biesalski und ihr Planet Backpack

Conni_Biesalski

©Conni Biesalski

„So ein Leben kann jede haben” ermutigt Conni Biesalski die überwiegend weiblichen ZuhörerInnen in der düsteren Halle 4 gegen Ende ihres Vortrags und löst bei mir und meinen Nachbarinnen sofort den unbändigen Drang aus, raus ans Licht und ins nächste Flugzeug zu stürzen. Seit ihrer Kindheit ist Conni immer unterwegs und reist permanent um die Welt. Arbeit und Leben sind bei ihr eins, sie pflegt ein holistisches Prinzip. Ihre Base, ihr Arbeitsplatz ist ihr Laptop. Die Reisebloggerin finanziert ihr Leben durch Affiliate Marketing, Werbung und Online-Kurse. Auf ihrer Website finden sich Tipps rund ums Leben als digitale Nomadin. Ein Posting lautet: „Fuck the Status Quo: Warum du deinen Job kündigen & die Welt bereisen solltest.” Genau! Warum auch nicht? Allerdings sollte die perfekte Nomadin schon eine Art Lebenskünstlerin sein: flexibel, spontan und selbstbestimmt. Man müsse während der Reisen mit so „Kleinigkeiten” wie Stromausfällen, Wassermangel, Jetlag, Kommunikationsproblemen wegen des Zeitunterschieds, Hitze und allerlei Pannen rechnen. Es gebe keinen typischen Arbeitsalltag – jeder ihrer Tage verlaufe anders. „I live a life without limits in a world without borders”, steht auf Conni Biesalskis Visitenkarte im Web. Hach …

Republica 14_Nicht meckern

Kunst auf der re:publica

Don’t talk to Women in Tech about Women in Tech

Am letzten Tag der re:publica repräsentieren zwei Frauen sehr gelassen die afrikanischen Women in Tech. Sie wollen allerdings gar nicht über „Women in Tech” reden – oder nur am Rande. Mehrfach betonen beide, nicht wegen ihrer Rolle als Frau, sondern aufgrund ihrer Fähigkeiten respektiert werden zu wollen. Dazu entwickelt sich recht bald eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum. Die Lager teilen sich und bleiben bis zum Schluss uneinig. Die einen fordern: „Be a Role Model!”, „Be loud!”, „Promote the Women!”, „Encourage Women!” Die anderen meinen, Frauen seien vorbildhaft, indem sie einfach ihren Job so gut wie möglich erledigten. Letzlich schwebt eine Frage im Raum: „Are we all role models, just because we are here?”

Die Women in Tech auf dem Podium:

Martha Chumo aus Kenia erhielt mit 19 Jahren ein Stipendium vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), durfte aber nicht einreisen, weil ein Visum abgelehnt wurde. Stattdessen gründete sie die Nairobi DevSchool, an der sie kenianische Frauen und Männer zu ProgrammiererInnen ausbildet.

Clarisse Iribagiza aus Ruanda ist CEO eines der erfolgreichsten ostafrikanischen Mobiltechnologie-Startups: HeHe Limited. Das Unternehmen wurde 2010 mit der Vision gegründet, Afrika in eine Informationsgesellschaft zu verwandeln. Clarisse und ihre KollegInnen versuchen, durch die Entwicklung innovativer Mobile Apps so vielen Menschen wie möglich Zugang zu relevanten Informationen zu ermöglichen.

Beide Sessions wurden aufgezeichnet und können bei YouTube abgerufen werden:

http://re-publica.de/session/digital-media-women-lightning-talks

http://re-publica.de/session/dont-talk-women-tech-about-women-tech

 

Autorin: Katja Marczinske

Katja Marczinske studierte Komparatistik, Germanistik und Theaterwissenschaft. Nach Stationen im Buchhandel und Lektorat war sie zuletzt bei Suhrkamp und Elsengold für Vertrieb und Marketing zuständig. Zurzeit macht sie eine Fortbildung Im Bereich Online-Marketing. Im Presse-Team der Berliner BücherFrauen ist sie die Social Media Expertin.

4 Kommentare

  1. Frauke Ehlers

    BLOG AG treffen Frühjahr 2015 dort – das machen wir! Danke für den schönen Beitrag.

    • Bin auf jeden Fall dabei! Dies ist ja nur ein winziger Auschnitt der re:publica. Doch es lohnt, jeden „Schnippsel“ noch mal aufzugreifen – die Sessions gingen ja eher so im Rausch vorbei …

    • Gerne geschrieben, Sarah! War eine eindrucksvolle Veranstaltung. Freue mich darauf, euch besser kennenzulernen!

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