Einladung zur London Book Fair 2016

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Jacks Thomas, Direktorin der London Book Fair, lud auf der Frankfurter Buchmesse 2015 die BücherFrauen auf die London Book Fair 2016 ein. Eine kleine Gruppe bestehend aus vier BücherFrauen – Katrin Schroth, Sandra van Lente, Gudrun Hebel und Yvonne de Andrés – griff dieses Angebot, nach London zu reisen, auf. Gudrun Hebel, Literaturagentin, war die Einzige von uns, die regelmäßig an der London Book Fair teilnimmt.

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Jacks Thomas und Yvonne de Andrés auf der London Book Fair 2016. (v.l.)

Jacks Thomas

Seit 2013 ist sie Direktorin der London Book Fair. Jacks Thomas ist eine britische BuchFrau. Sie kommt aus dem Verlagswesen und war lange bei Midas PR, einer auf die Buchbranche spezialisierten PR-Agentur, als Kommunikationsdirektorin tätig. Frau Thomas war dort zuständig für die Booksellers Association, technologische Entwicklungen der Verlagsbranche, Sonderprojekte wie den Länderschwerpunkt China 2012 der LBF u. v. m. Ihre guten Beziehungen zu vielen Verlagen von Victor Gollancz, Simon & Schuster, Michael Joseph bis hin zu HarperCollins und ihr dichtes Netzwerk haben ihr den Wechsel zur LBF ermöglicht. Sie ist eine kleine zierliche Person. Mir haben ihre engagierte, sehr freundliche Art, sich für Autor*innen einzusetzen und diese zu promoten, sowie ihr Werben für Literaturfestivals sehr gut gefallen.

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Die London Book Fair (LBF)

Die London Book Fair fand auf dem Kensingtoner Ausstellungsgelände „Olympia“ statt. Die Messe findet meist im März/April statt. In diesem Jahr wurde der 45. Geburtstag groß gefeiert. Zu bejubeln gab es einiges, und die Stimmung war daher sehr gelöst. Wie Jacks Thomas auf der internationalen Pressekonferenz berichtete, ist die LBF auch 2016 wieder gewachsen. 1.500 Austeller*innen aus über 60 Ländern, 25.000 Fachbesucher*innen aus mehr als 100 Ländern. Auch die Buchbranche in UK konnte Zuwächse verzeichnen. Das gedruckte Buch konnte 2015 eine Steigerung von 5 % vorlegen. Die E-Book-Umsätze seien hingegen 2015 schwächer ausgefallen. Die Buchhandlungen in Mittel- und Großstädten wachsen und expandieren. Die Nachfrage an Professionalisierung der Mitarbeiter*innen und Erlebnisse in der Buchhandlung stehen dabei im Vordergrund.

Wie im Bienenkorb ging es an den ersten zwei Tagen im „International Rights Centre“ zu. Die LBF ist neben der Frankfurter Buchmesse weltweit die wichtigste Messe für Rechte und Lizenzen. Auf der Messe ging es nicht nur um Buchrechte, sondern auch um Rechte für E-Books in all ihren Ausprägungen, Film und TV, Apps und Hörbücher. Von astronomischen Vorschusszahlungen hörte ich bei diversen Pitchs. Weiterhin sehr erfolgreich war das Geschäft mit skandinavischen Krimis. Für den deutschen Sprachraum trägt Gudrun Hebel und ihre Literaturagentur aktiv zum Ergebnis bei.

Die digitalen Medien sind zwar im Alltag angekommen, trotzdem dominierten optisch das Buch und die Autor*innen das Bild der Buchmesse. Ganz klar im Fokus dieser Messe stand die Buchindustrie. In der Haupthalle präsentierten sich dicht an dicht die großen globalen Buchgruppen, „Penguin Random House“ neben „Hachette“ und nur ein paar Schritte davon entfernt „Bonnier“ oder „Macmillan“. An den Rändern der Halle befanden sich dann kleinere und mittlere Verlage und Verlagsgruppen. Diese waren für mich oft interessanter, da sie sehr klare und spannende Profile aufwiesen. Diese Anordnung ließ optisch die Gewichtung im Markt klar erkennen. Wissenschaft-, Kunst- oder Kinderbuchverlage befanden sich gebündelt auf weiteren Flächen der Messe.
Beeindruckt hat mich der Bereich der Self-Publisher. Hier konnte ich das große Interesse von Autor*innen feststellen, die den Wunsch haben, ihre Bücher und E-Books, die bereits in anderen Sprachen vorliegen, jetzt im Englischen zu verlegen, um so eine größere Leserschaft zu erreichen. Die Stände von Amazon-Publishing und Kindle waren regelrecht belagert. Auch das dazugehörige Forum war stark frequentiert.

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Judith Kerr

Neben den vielen Verlagsständen, Druckereien, Kulturinstituten, Stiftungen oder verschiedenen Buchmessen hat mich das dichte Netz an Foren, Bühnen und intensiven Seminaren beeindruckt. Im Umfeld der entsprechenden Verlage haben die Foren die dringlichsten Themen aufgegriffen.
Die LBF hat Autorinnen stark ins Blickfeld gerückt wie Jeanette Winterson, Marian Keyes oder Judith Kerr. Spannende Themen wurden aufgegriffen wie „Women in comics? Is the graphic novel industry failing to recognize female creators?“. Literaturfestivals, Buchpreise, erfolgreiche Social-Media-Strategien etc. Dabei wurde es nach kurzen, prägnanten Einführungen immer schnell konkret, und die Zuhörer*innen konnten mit viel Mehrwert die Veranstaltung verlassen.

Weitere BücherFrauen

Im Vorfeld hatten wir uns mit Tina Tanneberg verabredet. Tina, die einigen von den langjährigen BücherFrauen noch als Matina Grebener bekannt sein dürfte. Sie lebt seit 15 Jahren in London und konnte uns einen guten Eindruck der Verlagsszene vermitteln. Tina war einige Jahre im Vorstand der „Women in Publishing“, doch leider ist die Gruppe zurzeit nicht mehr aktiv. Tina hat uns bei den gemeinsamen Treffen berichtet, wie rau die Arbeitssituation in UK als Freie ist. Ganz besonders prekär ist die Situation für freie Übersetzerinnen, die den Arbeitsprozess vorfinanzieren müssen, bis sie vom Verlag bezahlt werden. Wir haben sehr anregende Stunden mit ihr verbracht.

Gemeinsam haben wir uns mit Murielle Rousseau von Buch Contact Freiburg sowie mit Kolleginnen vom Arbeitskreis Verlags-Pressesprecherinnen der Frankfurter Buchmesse und Kolleg*innen der Start-up-Initiative des Börsenvereins in London getroffen.

Impressionen zur LBF meiner Kolleginnen

Katrin Schroth: „Wir BücherFrauen freuen uns darüber, Kontakte auch über die Grenzen Deutschlands hinaus zu intensivieren. Deshalb war das gemeinsame Netzwerken mit BücherFrauen aus London erfolgreich und hat darüber hinaus noch großen Spaß gemacht.“

Sandra van Lente: „Ich bin aus purer Neugier zur LBF gefahren – wohl wissend, dass es eine Lizenzmesse ist und ich nichts zu (ver)kaufen habe – und um Feldforschung für mein Projekt zu verschiedenen europäischen Buchmärkten zu betreiben. Die Messe war für mich sehr inspirierend, nicht zuletzt aufgrund der vielen spannenden Lesungen und Diskussionsveranstaltungen, beispielsweise zu Übersetzungen und ihren politischen Dimensionen. Als besonders angenehm habe ich die vielen Gesprächsinseln empfunden, auf denen man mit alten und neuen Kontakten in Ruhe Gedanken austauschen oder auch einfach nur mal Kräfte sammeln konnte.“

Mein Fazit:

Eine sehr spannende Messe der kurzen Wege, auf der sich Trends abzeichnen. Treffen und Gespräche fanden hier sehr schnell und konzentriert statt. Eine tolle, anregende Messe. Interessant war es zu sehen, wie viele Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland sich ebenfalls hier umgesehen haben. Die Teilnahme ist auch für die nächsten Jahre empfehlenswert. Hier sollte dann über gezielteren Austausch und Gespräche nachgedacht werden.

www.londonbookfair.co.uk

Yvonne de Andrés

Autorin: Yvonne de Andrés

Yvonne de Andrés ist freiberufliche Senior Consultant in einer Unternehmensberatung. Sie ist eine der zwei Pressefrauen der Berliner BücherFrauen.

3 Kommentare

  1. Liebe Yvonne,

    mit Interesse habe ich Deinen Artikel gelesen. Am Ende schreibst Du, dass ein regelmäßigerer Kontakt sich lohnen würde.
    Wie wäre es mit einer „AG Auslandsblick“ ? Es könnte eine Möglichkeit sein, die geknüpften Verbindungen etwas zu verstetigen und für die Bücherfrauen systematisch auszubauen.
    Zum einen könnten berufliche Kontakte zum englischen Buchmarkt hergestellt und vertieft werden, Zum anderen würde es unseren deutschen Blick auf die Entwicklung der Buchbranche etwas weiten und könnte neue Entwicklungen anregen.

    Beste Grüße vom Main an die Spree sendet

    Eva

  2. Yvonne de Andrés

    Liebe BücherFrauen,

    zum 93. Geburtstag von Judith Kerr habe ich einen schriftlichen Blumenstrauß zusammengetragen. Ich hatte das Glück Frau Kerr auf der #LBF16 zu erleben. Anbei mein ergänzender Beitrag zu oben.

    http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Women%20+%20Work_WorldWideWomen.php?id=14191938

    Beste Grüße, Yvonne

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