Eisbrecher Tour in Stuttgart

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Als ich im Herbst 2014 las, dass die von Dorothee Werner initiierte Eisbrecher Tour in Stuttgart bei Holtzbrinck Station machen würde, wusste ich schon: Da will ich gerne hin.

Weil ich finde, dass Innovation, Start-up meets Buchbranche zu Holtzbrinck besonders gut passen. Hat sich doch Holtzbrinck schon früh durch seinen jetzigen Konzernlenker Stefan von Holtzbrinck (kurz SvH) mit dem digitalen Business beschäftigt. Und so ließ SvH es sich auch nicht nehmen die Veranstaltung am 12. Februar 2015 mit einem Grußwort zu eröffnen, dem man anmerkte, dass daraus viel eigene und Konzernerfahrung sprach.

Beim ersten Mal Aufsteigen, geht es wahrscheinlich nicht gleich los

Die Frage, wie Innovationskultur zustande kommt, beschäftigt Stefan von Holtzbrinck immerhin schon seit 1993, als er Geschäftsführer der Systema GmbH war und sich damals mit dem Thema CD-Rom beschäftigte. Ich erinnere mich noch gut an das Lexikon des Films auf CD – das damals ein Ziel meiner Wünsche war. So rief er dem Publikum bestehend aus Verlagen, Start-ups, Dienstleistern und genau einem Buchhändler und einer Buchhändlerin zu: „Misserfolge gehören dazu!“ Den Start-ups gab er mit auf den Weg: „Beim ersten mal Aufsteigen geht es wahrscheinlich nicht gleich los.“ Und die VerlegerInnen forderte er auf:„Stellen Sie sich die Frage, wie können wir uns kannibalisieren?“ Eigentlich ja genau das, was der gesunde Menschenverstand uns einflüstert, sei zu vermeiden.

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Begrüßung Dr.Stefan von Holtzbrinck Foto: Frauke Ehlers

Mit einem Plädoyer für den stationären Buchhandel und der Warnung vor dem Verlust von Meinungsvielfalt durch Monopolisierungstendenzen in der digitalen Welt verließ er die Bühne.

Der anwesende Buchhändler war übrigens der Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, der überzeugt davon ist, dass die Buchbranche im Umgang mit der Digitalisierung erfolgreicher verfährt wie die Musikbranche.

 Dorothee Werner treibt das Thema Innovation im Börsenverein

Einen Anteil, dass das Thema Innovation jedenfalls innerhalb des Börsenvereins salonfähig geworden ist, hat in meiner Wahrnehmung  Dorothee Werner, die seit vielen Jahren mit den forum zukunft Zukunftsthemen innerhalb des Börsenvereins vorantreibt. Seien es das buchcamp, die Zukunftskonferenz, Prototype oder jetzt die Eisbrecher Tour. Sie sorgt nicht nur dafür, dass der Verband sich diesen Themen widmet, sondern auch für eine Beschäftigung der Themen innerhalb von Großgruppen- Formaten. Also solchen Formaten, wie wir sie seit vielen Jahren bei den Jahrestagungen der BücherFrauen kennen und schätzen gelernt haben. Sie hat dabei ein Durchhaltevermögen, das bewundernswert ist – denn, ein Selbstläufer wird das nicht sein.

Dorothee Werner managt Zukunftsthemen im Börsenverein. Foto: Magdalena Spinn

Dorothee Werner managt Zukunftsthemen im Börsenverein. Foto: Magdalena Spinn

Bei ihrer Vorstellung der verschiedenen Börsenvereins Initiativen rund um Start-ups habe ich aufmerksam zur Kenntnis genommen, dass an die Bereitstellung eines Mentoringprogramms gedacht wird. Ziel ist es, den jungen Start-ups eine Mentor oder eine Mentorin aus dem Buchbranche zur Seite zu stellen, der oder die die Branche erklärt und Kontakte in die richtigen Kanäle herstellt. Wer weiss, vielleicht lassen sich da zwischen BücherFrauen und Börsenverein auch Synergieeffekte erzielen:  Denn wir  betreiben seit 16 Jahren erfolgreich Mentoringprogramme.

Als Impulsreferat überraschte mich der Beitrag vom Leiter der Rechtsabteilung bei Holtzbrinck, Dr. Sascha Theissen, der in einem wahnsinnig schnell vorgetragenen Referat aufzeigte, wie er Agile Working Management Konzepte, die ursprünglich aus der IT stammen, umfunktionierte und für seinen Arbeitsbereich nutzbar machte. Hier geht es u.a. darum in einem Team sichtbar zu machen (am Whiteboard) wer gerade an was arbeitet, welche Anfragen bei wem landen und damit Transparenz für eine Abteilung herzustellen. Das hat er mit seinem Team so erfolgreich aufgesetzt, dass es mittlerweile für weitere Bereiche bei Holtzbrinck zur Umsetzung vorgesehen ist. Wie bringt man Innovation in Service und Dienstleistungsbereiche? Wer dazu was lernen will mag sich vielleicht bei dem Workshop beteiligen, auf dem Sascha Theissen als Speaker zu diesem Thema informieren wird.

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Bezüglich der Anzahl von Gründungen sei Baden Württemberg “saturiertes Gebiet” sagte Veit Haug, von der Wirtschaftsförderung Stuttgart, „aber die Gründungen sind hier nachhaltiger.“ Und so wuchs allmählich die Spannung, wer und was sich denn präsentieren würde.

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Die Vorstellung der sechs Start-ups soll Thema eines weiteren Blogbeitrags sein. Da mich während der Präsentationen die Frage beschäftigte, wie kommen neue Konzepte eigentlich wann beim den Konsumenten oder bei in der Branche Beschäftigten an. So fragte ich mittels bewährter BücherFrauen Blitzumfrage innerhalb unseres Netzwerks nach der Nutzung und den Erfahrungen mit eBook Flatrates und mit Social Reading Plattformen. Denn mit Lovely Books und Skoobe waren zwei Unternehmen dabei, die schon vor längere Zeit gelauncht wurden und die somit schon Zeit hatten zum Konsumenten durchzudringen.

Frauke Ehlers

Autorin: Frauke Ehlers

Initiatorin des BücherFrauen-Blogs. Sie ist Teamleiterin Controlling bei BB Promotion, einem Marktführer des gehobenen Live-Entertainments in Europa. Seit 23 Jahren ist sie bei den BücherFrauen aktiv. Das Netzwerk ehrte sie 2015 mit der Auszeichnung BücherFrau des Jahres.

Ein Kommentar

  1. Nina George

    Ich wäre gerne dabei gewesen – und hätte z.B. versucht heraus zu finden, ob die Ressourcen dessen, was Start-ups oder aber auch Traditionsunternehmen benötigen, „mitgedacht“ werden: Autoren und Autorinnen.

    Denn wir sind Teil des Ganzen, Rückgrat und „Benzin“, und wenn wir uns kannibalisieren, dann sterben wir als Einzelunternehmerin quasi sofort. (Wir kannibalisieren uns by the way permanent, das gehört zur Stellenausschreibung AutorIn, leider).

    Es ist spannend zu erfahren, wir unsere GeschäftspartnerInnen, Verlage und andere, arbeiten – ich erhoffe mir hier mehr davon, Einblicke, Fragen, Kritisches.

    Danke dafür – Eisbrechen ist immer gut, damit Vorurteile und Halbwissen nicht verhindern, miteinander zu reden.

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