#lesbar im April – Krimis und Feminismus zum Welttag des Buches

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Im April feierte die Buchbranche den Welttag des Buches. Neben der Kampagne #verlagebesuchen, in deren Rahmen Leserinnen und Leser Verlagshäuser bundesweit mal ganz persönlich kennenlernen konnten, fand auch wieder die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ statt, bei der BloggerInnen Bücher rezensieren und verlosen. Auch im BücherFrauen-Blog könnt Ihr unter „Bloggerinnen schenken Lesefreude“ noch bis zum 30. April jeden Tag ein neues tolles Buch gewinnen. Online-Lesestoff gibt es wie üblich hier bei #lesbar: diesen Monat mit Texten zum Feminismus in Deutschland, zum Mangel an Geschäftsführerinnen in der Buchbranche und zum Krimi-Schreiben. Viel Spaß beim Lesen!

Was bedeutet es, heute und hierzulande eine Feministin zu sein? Diese Frage stellen sich viele Frauen in Deutschland, vor allem auch nach dem weltweiten Erfolg des Women’s March. Carolin Würfel setzt sich auf Zeit Online mit den Unterschieden zwischen dem Feminismus in den USA und in Deutschland auseinander und mit der immer gern wiederholten Frage, wozu wir den Feminismus hier überhaupt bräuchten. Am Ende stellt sie eine Anleitung zur feministischen Selbstsorge auf, die Frauen dazu auffordert, sich nicht mehr zu rechtfertigen, laut zu sein, „zu viel“ zu wollen – und den Feminismus konkret zu leben: „Die Frage nach der Notwendigkeit spiegelt ja vielleicht nur wider, was wir nicht wahrhaben wollen: dass nämlich der Feminismus in Deutschland so vor sich hinwabert, weil wir ihn nur theoretisch oder ästhetisch (also fashionmäßig) denken. Weil wir immer noch wie Duckmäuserinnen leben. Weil wir gar keine Antworten haben auf die Frage: Wie könnte feministisches Leben ganz konkret aussehen? Weil wir uns gar nicht befreien wollen. Und weil wir selbst Schuld daran haben, dass sich in den letzten 40 Jahren so wenig verändert hat.“

Eine aktuelle Diskussion regt Christina Schulte, die stellvertretende Chefredakteurin des Börsenblatts, an: Basierend auf einer neuen Studie des Beratungsunternehmens Narses, bei der die Zusammensetzung des Führungspersonals von Verlagen untersucht wurde, stellt sie heraus, dass Frauen in der Geschäftsführung wesentlich zum Erfolg beitragen, jedoch nach wie vor zu wenig dort vertreten sind. Sie nennt einige Faktoren, die dafür verantwortlich sind, und öffnet die Diskussion zur Frage: Wie kann man den Aufstieg von Frauen in Verlagshäusern weiter fördern?

Auf Herland wurde nun ein Vortrag der deutschen Krimiautorin Doris Gercke veröffentlicht – zwar aus dem Jahr 1995, aber heute immer noch interessant und sehr lesenswert. Darin erzählt sie von ihren eigenen Grundsätzen beim Schreiben eines Kriminalromans, die von dem Streben nach Wahrheit und einem klaren Standpunkt bis hin zum nötigen Handwerk reichen. Nicht nur für Krimi-Fans ein anregendes Leseerlebnis: „Meine Arbeit gefällt mir sehr. Und die persönliche und die allgemeine Seite des Schuldgefühls zusammengenommen bedingen, dass ich gezwungen bin, regelmäßig, ernsthaft und gründlich zu arbeiten. Das Privileg, jeden Morgen an meinen Schreibtisch gehen zu können und nicht in eine stinkende U-Bahn, nicht zu wahnsinnigen Autofahrern auf überfüllte Straßen zu müssen, will abgearbeitet werden und bringt geregelte Arbeitszeiten hervor, die angefüllt sind mit Lesen/ Studieren/ Recherchieren/ Schreiben.“

Am 23. April war es wieder so weit: Wir haben den Welttag des Buches gefeiert. Zu diesem Anlass haben viele Verlage bundesweit die Türen geöffnet und im Rahmen der Aktion #verlagebesuchen Leserinnen und Leser dazu eingeladen, den Entstehungsprozess eines Buches in ihrem Haus kennenzulernen. Wolfgang Tischer nimmt diese Aktion als Aufhänger, um kritisch zu hinterfragen, ob es nicht sinnvoller wäre, den Wert eines Buches dadurch zu vermitteln, dass man sichtbar macht, wie viele Menschen an seiner Entstehung beteiligt sind. Bei einem Film beispielsweise zeigt der Abspann, wie viele Menschen daran mitgewirkt haben – bei einem Buch wird das höchstens in den Dankesworten des Autors oder der Autorin erwähnt. Warum eigentlich? „Warum wird bei Verlagsbüchern nicht der Name der Lektorin genannt? Warum nicht die Frau von der Presse- oder die Volontärin der Marketingabteilung? Die Personen der Herstellung, die die Ausstattung des Buches verantworten? Die Verlagsvertreter? Der Name des Verlegers? All das könnte doch hinten auf den ‚Abspannseiten‘ eines Romanes stehen und vermitteln, welche Arbeit Verlage leisten und dass ein Buch nicht nur das Produkt einer Autorin oder eines Autors ist.“


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

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