#lesbar im April – Von VG Wort bis Gender Gap

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Nach der Leipziger Buchmesse hat sich die Branche im April auf der London Book Fair wieder getroffen und um Übersetzungen und Lizenzen gefeilscht. Passend dazu haben wir für #lesbar einen Beitrag herausgesucht, der beleuchtet, wie wenig deutsche Autorinnen es ins Ausland schaffen – symptomatisch für das generelle Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern im Literaturbetrieb, das uns immer wieder beschäftigt. Für die Buchbranche stand in diesem Monat etwas anderes im Mittelpunkt: das Urteil bezüglich des Verteilungsplans der VG Wort, das für große Unsicherheit aufseiten der Verlage gesorgt hat. Die Auseinandersetzung mit diesem Urteil und seinen Folgen läuft gerade erst an – schickt uns gern Eure Lesetipps zu diesem Thema, auch für die nächste Ausgabe von #lesbar! Für heute legen wir Euch noch Artikel über geschlechtergerechte Sprache, Online-Hass bei feministischen Artikeln und Amazon-Alternativen beim Online-Bücherkauf ans Herz. Frohes Lesen!

Am 21. April wies der Bundesgerichtshof die Revision gegen die 2013 getroffene Entscheidung des Oberlandesgerichts München zum Verteilungsplan der VG Wort zurück. Dieser sah bislang vor, dass auch Verlage an den Einnahmen der Verwertungsgesellschaft beteiligt werden, wogegen ein Wissenschaftsautor geklagt hatte. Nun drohen Verlagen hohe Rückzahlungen, insbesondere bei kleinen Verlagen steht dabei die Existenz auf dem Spiel. Wiebke Porombka schildert in ihrem Kommentar den Beitrag eines Verlags zur Entstehung eines Buchs und kritisiert die Kurzsichtigkeit dieses Urteils: „Der BGH tut damit so, als wären die Arbeit von Verlagen und jene der Autoren zwei voneinander getrennte Bereiche, die man auch getrennt voneinander beurteilen könne. Das ist ein großer Irrtum, denn Verlage ermöglichen doch erst die Existenz und Weiterentwicklung von Autoren.“

Es ist ein Thema, das uns immer wieder beschäftigt, weil die Situation leider einfach nicht besser wird: die Unterrepräsentation von Autorinnen in der literarischen Öffentlichkeit. Die Übersetzerin Katy Derbyshire macht nun eine bisher wenig beachtete Ebene des Problems sichtbar: Nicht nur werden Autorinnen im deutschen Feuilleton seltener besprochen und gehen bei Literaturpreisen öfter leer aus, ihre Werke werden auch seltener ins Englische übersetzt. Akribisch recherchiert Derbyshire ernüchternde Zahlen und Fakten: „Am Ende einer Woche voller erdrückender Statistiken bringt eine Liste das Fass zum Überlaufen: Der niederländische Europäische Literaturpreis hat gerade seine Longlist bekannt gegeben. Eine Freundin fragt auf Twitter, ob ich sie gesehen habe; meine krankhafte Zählerei hat mir inzwischen einen gewissen Ruf beschert. Die Liste beinhaltet mehr Bücher mit nackten Frauen auf dem Umschlag als Autorinnen.“

Geschlechtergerechte Sprache ist notwendig. Das sehen wir auch hier auf dem Blog so und nennen daher immer weibliche und männliche Formen oder weichen auf Lösungen wie das Binnen-I aus. Aber es existieren noch viele weitere Möglichkeiten, alle Geschlechter einzubeziehen statt immer nur „mitzumeinen“. Auf kleinerdrei schreibt Svenja Gräfen über den Wandel der Sprache, faule Ausreden und die Lesbarkeit von Texten: „Ich finde auch zum Beispiel Fußnoten nicht sonderlich hübsch – aber ich sehe ein, dass sie sehr sinnvoll sein können. Es kommt ja auch immer auf die Textart an. In literarischen Texten benutze ich nur ungern den Gender Gap (also den Unter_strich) – da bemühe ich mich aber anderweitig um eine Sprache, die niemanden ausschließt. Ein weiterer Vorteil des Gebrauchs der gendergerechten Sprache: er sensibilisiert.“

Ein trauriger Erfahrungswert: Eine Frau, die sich online als Feministin outet, wird in den meisten Fällen von hässlichen Kommentaren überflutet, die von belehrend bis feindselig reichen. Die Autorin und Bloggerin Christine Lehmann dröselt auf Herland die Muster solcher Kommentare auf, die Frauen immer wieder zögern lassen, zu (nicht nur) feministischen Themen online Stellung zu beziehen: „Verbalangriffe in den Netzwerken zielen auf die Person und qualifizieren sie als dumm, hässlich oder frustriert ab und benutzen dafür küchenpsychologische Schnellanalysen zum Zweck der sozialen und intellektuellen Vernichtung der Schreiberin.“

Wer sich Bücher bequem nach Hause liefern lassen möchte, greift schnell mal auf den Onlinehändler Amazon zurück – auch aus Unwissenheit, was es noch für Möglichkeiten gibt. Die Buchhändlerin und Bloggerin Simone Dalbert listet nun in einer schönen Übersicht Alternativen mit ihren Vor- und Nachteilen auf und bricht dabei auch eine Lanze für die lokalen Buchhandlungen: „Viele Buchhändler sind sich bewusst, dass die Möglichkeit auch online bei ihnen einkaufen zu können, inzwischen ein selbstverständlicher Service sein sollte. Die Umsetzung ist nicht immer perfekt, aber wir arbeiten daran. Nur tun viele Buchhändler das nebenbei, während sie auch noch im Laden stehen und vor Ort für ihre Kunden da sind. Denkt vielleicht mal daran, wenn ihr das nächste Mal über den doofen kleinen Buchhändler schimpft, der kein Online kann. Ganz nebenbei, auch in großen Online-Shops läuft nicht immer alles rund, ärgern kann man sich da genauso gut.“


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

Ein Kommentar

  1. Kommt auf die Leseliste, wie jeden Monat, für die lange Zugfahrt morgen. Gruß und Dank fürs Auswählen!

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