#lesbar im August

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Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden vierten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Im August werfen wir einen genaueren Blick auf Leserinnen und Leser von heute. Lesen Männer überhaupt noch und wenn ja, was? Nutzen Lesende inzwischen eher Literaturblogs als die traditionellen Rezensionen im Feuilleton zur Orientierung auf dem Buchmarkt? Interessante Einblicke darin, wie wir heute mit Sprache umgehen, bietet außerdem die Linguistik – und die telefonische Duden-Beratung.

Was zum Lesen und zum Hören gibt es diesen Monat bei Deutschlandradio Kultur: In dem Beitrag von Sieglinde Geisel wird die vielfältige Landschaft der Literaturblogs beleuchtet und ihre Bedeutung für den Buchhandel diskutiert: „Während in den Zeitungen der Platz für das Feuilleton schrumpft, scheinen die Literaturblogs aufzublühen. Die meisten Blogs haben ein paar Hundert bis ein paar Tausend Besucher pro Tag – das ist zwar mit der Auflage einer Tageszeitung nicht zu vergleichen, aber in ihrer jeweiligen Community haben Literatur-Blogger durchaus Wirkung.“ Wer noch aktuelle Empfehlungen für Buch- und Literaturblogs sucht, wird bei Stefan Mesch fündig.

Felicitas von Lovenberg entfachte mit einem Artikel in der FAZ eine Diskussion darüber, ob und warum Männer weniger Romane lesen als Frauen und wie Verlage damit umgehen. Johannes Haupt unterlegt den Trend mit Statistiken und geht auch auf die Vermarktung von „Frauenliteratur“ und das Leseverhalten von männlichen Lesern ein: „Während Frauen nicht nur mehr, sondern auch vielfältiger lesen, beschränken sich Männer überdurchschnittlich häufig auf einzelne Sparten, konkret SciFi/Fantasy, Krimis, Thriller und historische Romane. Und: Für viele Männer ist ein Frauenname auf dem Cover ein rotes Tuch.“

Warum brauchen Frauen eigene Netzwerke? Christiane Wolff, Gründerin des Nettwerks, schreibt über den Nutzen von Netzwerken im Berufs- und Privatleben und warum es immer noch Sinn macht, wenn Frauen sich untereinander vernetzen: „Laut Gründerinnenportal gibt es heute 355 Netzwerke nur für Frauen, laut einer Forsa-Studie von 2009 nutzen Frauen berufliche Netzwerke stärker als Männer und helfen ihren Kontakten eher weiter. […] Es spricht also alles weiter und immer mehr dafür, zu Netzwerken, berufliche Kontakte aufzubauen und zu pflegen.“

Die amerikanische Autorin Catherine Nichols hat ihr Roman-Exposé unter dem männlichen Pseudonym George an Literaturagenturen geschickt und berichtet auf Jezebel (auf Englisch) von ihren ernüchternden Erfahrungen: „Total data: George sent out 50 queries, and had his manuscript requested 17 times. He is eight and a half times better than me at writing the same book. Fully a third of the agents who saw his query wanted to see more, where my numbers never did shift from one in 25.“

Dass man im Literaturbetrieb auch über sich lachen kann, zeigt der Hashtag #TenThingsNotToSayToAWriter, unter dem auf Twitter Bemerkungen gesammelt wurden, die Autoren und Autorinnen zusammenzucken lassen. Lorenz Jäger fasst einige der Highlights zusammen (die mit Humor genommen werden sollten): „Ich wünschte, ich hätte so viel Zeit. Ich hoffe mal, Ihr Ehepartner verdient genug. Ich würde auch gern den ganzen Tag dasitzen und nichts tun. Aha, Sie sind Schriftsteller. Haben Sie einen Plan B?“

Kathrin Kunkel-Razum ist Leiterin der telefonischen Duden-Beratung. In diesem Interview gibt sie einen Einblick in ihren Arbeitsalltag, die häufigsten Sorgen der Anrufer und Anruferinnen und die Schönheit der deutschen Sprache: „Oft rufen Sekretärinnen an oder Marketingexperten. Auch Mitarbeiter von Quizshows sind darunter. ‚Wer wird Millionär?’ greift gern auf unsere Werke zurück.“

Zum Abschluss ein interessanter Exkurs aufs Gebiet der Linguistik: Guido Meyer stellt im Deutschlandfunk eine Studie zur Sichtweise von Menschen vor, die zweisprachig aufgewachsen sind, in diesem Fall sowohl Englisch als auch Deutsch sprechend. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um Professor Panos Athanasopoulos und Diplom-Psychologin Alexandra Kibbe kamen zu spannenden Ergebnissen: „Und in der deutschen Sprache ist es so, diese Menschen, deutsche Muttersprachler, konzentrieren sich auf Anfangspunkte und auf Endpunkte. Zum Beispiel englische Muttersprachler konzentrieren sich mehr auf die Bewegung an sich. Das heißt natürlich, wenn man mehrere Sprachen spricht, ist man in der Lage, beide Sichten zu übernehmen, je nachdem, in welchem Kontext man sich befindet.“

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

2 Kommentare

  1. Heike Herrberg

    Herzlichen Dank, Martha, für die immer wieder interessanten Lesetipps. Der Artikel von Catherine Nichols ist spannend: erhellend und sehr ernüchternd. Da könnte frau mal wieder richtig schlechte Laune kriegen…

  2. Vielleicht sollten wir Bücher nur noch unter geschlechtsneutralen Pseudonymen einreichen und veröffentlichen, Autorinnen wie Autoren – dann brauchen auch die männlichen Leser keine Angst mehr vor „Frauenliteratur“ haben! 😉

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