#lesbar im Dezember – Vom Ehrenamt bis zum Büchnerpreis

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Letzten Monat waren wir noch ganz im Freudentaumel nach unserer Jahrestagung in Berlin, nun geht der Dezember eher in gedämpfter Stimmung zu Ende. Das hält uns aber nicht davon ab, Euch wieder einige Lesetipps für die letzten Tage des Jahres mitzugeben. Mit dabei sind großartige Frauen wie Nina George und Luise F. Pusch, die uns immer wieder motivieren, Ungerechtigkeit zu bekämpfen und unsere Kraft für Themen einzusetzen, die uns wichtig sind. Außerdem lesenswert fanden wir Beiträge zu Risiken des Selfpublishings und neuen Geschäftsmodellen für BloggerInnen. Und generell zu empfehlen ist die Jahresbilanz 2016 auf boersenblatt.net, in deren Rahmen viele interessante Akteurinnen und Akteure der Branche auf das vergangene Jahr zurückblicken. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen und einen guten Start ins neue Jahr!

Am 5. Dezember war der Internationale Tag des Ehrenamts. BücherFrauen wissen sehr gut, wie wichtig und wertvoll ehrenamtliche Arbeit ist – ohne sie gäbe es unser Netzwerk nicht. Nina George, BücherFrau, Bestseller-Autorin und PEN-Beirätin, schrieb zu diesem Anlass über ihr Engagement für die Rechte von Autorinnen und Autoren und warum sie dieses trotz Stress und fehlendem finanziellen Ausgleich nicht aufgibt: „Ehrenamt, das heißt für mich, mich während des Tuns entschieden zu haben, neben einem Geldberuf einen zweiten Beruf auszuüben. Wie einen bezahlten. Er bringt mir eindeutig mehr Kummer ein als der bezahlte. Er ist der rationale Teil meiner Existenz, während das Schreiben das emotionale ist. Ich kann es nicht lassen, zu groß ist die Sorge, dass ich mir damit selbst ein Bein stelle: Wenn ich heute nicht agiere, dann wird das Schreiben und Veröffentlichen in 20, 30 Jahren ein anderes sein, eines, das mir nicht gefallen wird, das mich einengen wird und schlechter und noch unberechenbarer bezahlt.“

Am 27. November wurde in Darmstadt der Luise-Büchner-Preis für Publizistik an Luise F. Pusch vergeben. Die Sprachwissenschaftlerin und Schriftstellerin setzt sich seit den 1970er-Jahren für geschlechtergerechte Sprache ein und kritisiert auch immer wieder die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern im Literaturbetrieb. In ihrer Dankesrede und der zu diesem Anlass vorgetragenen Glosse stellt sie heraus, wie selten weibliche Autorinnen hoch dotierte Literaturpreise wie den Büchnerpreis erhalten, und fordert ein Umdenken ein: „Der Büchnerpreis ist die Eintrittskarte für ein besseres Schriftstellerleben: weitere lukrative Preise, höhere Auflagen, mehr Einladungen zu Lesungen mit höheren Honoraren, Gastprofessuren, Auslandsstipendien, undsoweiter. Schriftstellerinnen gebührt auch ein Stück von diesem Kuchen, und zwar genau jene Hälfte, die die Männer bisher brüderlich unter sich aufteilten. Leserinnen und Leser würden auch profitieren von einer weniger männerlastigen Literaturlandschaft.“

Als Nachtrag aus dem November empfehlen wir diesen Vortrag der Autorin Root Leeb, den sie bei einem Workshop auf der BücherFrauen-Jahrestagung in Berlin gehalten hat. Darin setzt sie sich aus AutorInnen-Sicht kritisch mit Selfpublishing und der zunehmenden Digitalisierung auseinander: „Selfpublishing suggeriert Demokratie, ja eine gewisse Anarchie und Widerstand gegen die mächtigen Verlage und Verlagskonzerne. Es verführt zum Glauben, jede und jeder kann SchriftstellerIn werden, so wie das jahrzehntelang die Zuschuss-Printverlage suggeriert haben und damit nicht den Buchmarkt bereicherten, sondern nur wenige schlaue VerlegerInnen. Im Selfpublishing ist das ähnlich. Wenn man die oben erwähnten Faktoren bedenkt, wird man erkennen, dass auch hier wieder große Selfpublishingverlage den Markt beherrschen werden, und bei ihnen werden wiederum diejenigen AutorInnen Erfolg haben, die prominent oder skandalträchtig sind oder professionelles Lektorat und Gestaltung bezahlen können, und damit werden ihre Bücher aus der Masse hervortreten und wahrscheinlich mehr beachtet werden. Damit hätten wir dieselbe Misere, wie jetzt bereits in den analogen Printverlagen.“

Sollen Buchbloggerinnen und Buchblogger für ihre Arbeit bezahlt werden? Eine Frage, die immer wieder für hitzige Diskussionen sorgt, vor allem unter den BloggerInnen selbst. Ute Nöth, Ansprechpartnerin für BlogerInnen beim Carlsen Verlag, beleuchtet in ihrem Text die unterschiedlichen Positionen der Bloggerinnen und Blogger, aber auch der Verlage und der Leserschaft. Gleichzeitig schlägt sie alternative Geschäftsmodelle für BloggerInnen vor und empfiehlt ihnen die Gründung eines Netzwerks, um ihre Interessen gegenüber Verlagen zu vertreten: „Blogs sind wichtige Stationen in der ‚Customer Journey‘ der Verlage, die in hohem Maß von den Buchblogs profitieren, sei es durch nachhaltige Sichtbarkeit im Netz, SEO und natürlich Buchverkäufe – aber eben eher durch die breite Gesamtheit der Buchblogs als durch einzelne Stimmen. Es ist also durchaus angebracht, Wertschätzung in Richtung Blogger neu zu definieren. Diese Wertschätzung kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen, sei es durch besondere Events, Kommunikation auf Augenhöhe – und möglicherweise auch monetär.“


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

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