#lesbar im Januar – Problembücher, TweetUps und immer wieder VG Wort

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2017 ist gerade mal einen Monat alt, aber in der Welt und in der Branche rumort es schon gewaltig. Neue Kraft hat uns der Women’s March am 21. Januar gegeben, bei dem Frauen weltweit für Frauen- und Menschenrechte auf die Straßen gegangen sind. Inspirierende Bilder dazu hat die New York Times zusammengestellt. Für Autorinnen und Autoren in diesem Monat besonders wichtig ist die Aufstellung der wichtigsten Fakten zur VG-Wort-Rückzahlung von Nina George. Außerdem empfehlen wir ein Plädoyer für „Problembücher“, den Erfahrungsbericht einer Journalistin über den Hass in ihrem Arbeitsalltag und einen Artikel über sogenannte TweetUps. Mit dabei: ein Liebesbrief an alle Frauen, die gegen Ungerechtigkeiten in der Welt kämpfen, egal auf welche Art. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

„Problembücher“ gibt es viele – Bücher, die Krankheiten, Gewalt oder andere schwierige Themen behandeln. Sophie Weigand hat die Erfahrung gemacht, dass viele Leserinnen und Leser davor zurückschrecken, sich auf eine literarische Reise in das menschliche Elend zu begeben. In ihrem nachdenklichen Beitrag ruft sie dazu auf, genau das zu tun und es als Chance zu begreifen: „Abgründe, Probleme und Schicksalsschläge sind nicht effizient und auch nicht besonders glamourös. Aber gerade in der Literatur können sie besondere Durchschlagskraft entfalten, wirklich etwas erzählen nicht bloß über den Menschen am Abgrund, sondern immer auch ein bisschen über uns selbst.“

Nach dem VG-Wort-Urteil des BGH im April 2016 herrscht viel Unsicherheit in der Buchbranche, vor allem im Verhältnis zwischen Verlagen und AutorInnen. Dem Urteil zufolge sollen Verlage ihren Anteil an der VG-Wort-Ausschüttung der Jahre 2012–15 zurückzahlen bzw. für 2016 gar nicht erst bekommen, was besonders für kleine Verlage eine schwere finanzielle Belastung bedeutet. Bis zum 28. Februar haben Autorinnen und Autoren die Möglichkeit, mit dem VG-Wort-Formular „Verzicht auf Rückabwicklung zugunsten von Verlagen“ ihre Rechte und Prozentanteile im Nachhinein an ihre Verlage abzutreten. Für diejenigen, die die komplizierte Sachlage nicht ganz durchschauen und sich über ihre Entscheidung unsicher sind, hat Nina George die wichtigsten Informationen kurz und präzise zusammengestellt, samt Argumenten für und gegen die Verzichtserklärung.

Wie sieht der Alltag einer Journalistin aus? Die ernüchternde Antwort: wenig glamourös, dafür voller Mord- und Vergewaltigungsdrohungen. Anne-Sophie Keller schreibt darüber, was Frauen aushalten müssen, die sich öffentlich äußern, und worüber immer noch zu selten gesprochen wird: „Es ist unser Redaktionsalltag. Nur redet niemand darüber. Weil wir uns dafür schämen, dass irgendwelche Trolle es schaffen, uns zu entwürdigen. Weil Abgrenzung in der Theorie einfacher ist. Weil diese Worte teilweise so schmutzig sind, dass wir uns danach selbst schmutzig fühlen. Weil wir Hassbriefe einfach wegklicken – in der Hoffnung, dass unser Gedächtnis dasselbe macht.“

Wer auf Twitter unterwegs ist, ist bestimmt schon einmal über kryptische Hashtags wie #TweetUp gestolpert. Dabei treffen sich Menschen vor allem im kulturellen Bereich zum Besuch einer Veranstaltung und begleiten das Ganze parallel auf den sozialen Medien, hauptsächlich Twitter. Im Buchbereich hat sich das #bookupDE etabliert, bei dem zum Beispiel Verlage, Bibliotheken oder Buchhandlungen besucht werden. Wiebke Wiechell hat das Format bei Museumsbesuchen kennengelernt (#MuseUp) und schreibt darüber, warum es sie überzeugt hat: „Bei organisierten TweetUps oder MuseUps wird die Konzentration stärker gefordert. Zu diesen Events werden speziell Twitter-Nutzer eingeladen, um während des Besuchs über das Erlebte zu berichten. Das kann manchmal zu Hektik führen. Aber die durch das Multitasking veränderte Wahrnehmung und intensive Kommunikation lockern auf und erzeugen damit eine neue Perspektive und erweiterten Fokus.“

Um mit einer positiven Note zu enden, empfehlen wir gern diesen sehr persönlichen Beitrag der kleinerdrei-Autorin Amina, in dem sie allen Frauen dankt, die sie inspirieren – mit ihrer Stärke, mit ihrer Wut, aber auch mit ihren Tränen: „Die Menschen die zu Dir, Mir, Uns kommen und nach Unterstützung und Trost fragen, sind dieselben Menschen die Dir, Mir, Uns sagen, dass wir nicht weinen sollen, dass wir aufhören sollen zu fühlen, wir sollen aufhören zu trauern. Wenn wir uns also entschließen, zu fühlen und damit den Mechanismen der Unterdrückung, die unseren Schmerz unsichtbar machen wollen, zu widerstehen, sind wir nicht nur Spielverderber*innen für uns selbst, sondern auch für andere Menschen. Aber das ist ein falscher Blick auf uns! Unsere Tränen sind unser Handeln, auch wenn Andere das nicht verstehen. Deine Wut, Dein Zorn muss nicht produktiv sein. Deine Entrüstung ist genug, allein die Fähigkeit, dass Du so tief fühlen kannst, ist Deine, Meine, Unsere Stärke.“


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

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