#lesbar im Juni

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Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden vierten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

#lesbar im Juni fanden wir unter anderem Beiträge zu aktuellen Debatten über Feminismus, Gleichstellung und geschlechtergerechte Sprache. Interessante und ernüchternde Beobachtungen gab es außerdem zur Stellung von Autorinnen im deutschen und internationalen Literaturbetrieb. Einen Grund zum Feiern wollen wir Euch aber trotzdem liefern: Langjährige BücherFrau und Netzwerk-Expertin Frauke Ehlers ist zur BücherFrau des Jahres 2015 gewählt worden und wir freuen uns ganz besonders – ohne Frauke hätte es den BücherFrauen-Blog nämlich gar nicht gegeben!

Nach Ronja von Rönnes Artikel über die angebliche Nutzlosigkeit des Feminismus (Welt) schlugen im Netz Wellen von Empörung und Zustimmung hoch. Ruth Schneeberger nimmt Stellung zu Rönnes Haltung und der Debatte an sich: „Klar kann man das machen: Eine 23-Jährige damit beauftragen, der Welt zu erklären, warum sie den Feminismus nicht versteht. Aber dann muss sich die Welt auch darauf einstellen, dass es Gegenwehr gibt, und zwar heftige.“

Diesen Monat gibt es weitere Einblicke in den Alltag von Übersetzerinnen: diesmal von Ursula Gräfe, die viele als Übersetzerin des japanischen Bestseller-Autors Haruki Murakami kennen dürften. „Meine große Sorge ist immer, einen Roman oder eine Erzählung zu ‚killen‘, indem ich es nicht schaffe, mich frei zu schreiben, und deshalb den deutschen Lesern das Schöne und Spannende der Geschichte nicht angemessen vermittele. Dass er oder sie das Buch weglegt, weil ich an gewissen sprachlichen Eigenheiten klebe und dadurch den Lesefluss blockiere.“

Zwar schon Ende Mai erschienen, aber trotzdem auch im Juni absolut lesenswert: die Kolumne von Carolin Emcke zum Thema homosexuelle Ehe. „Die Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transgender, ist nicht etwa deswegen geboten, weil es Mehrheiten dafür gibt, sondern weil sie rechtlich und normativ richtig ist. Menschen- und Bürgerrechte gelten nicht deswegen, weil sie gerade en vogue sind. Sie gelten immer und universal.“

Wie ergeht es eigentlich Schriftstellerinnen im deutschen Literaturbetrieb? Nicht sehr gut, sagt Tanja Dückers und fächert in ihrem sehr persönlichen Beitrag auf, wie Autorinnen heutzutage immer noch darum ringen müssen, nur auf der Grundlage ihres Schreibens beurteilt (und bezahlt!) zu werden. „Die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen, und damit auch von Schriftstellerinnen, haben sich zwar in den letzten 60 Jahren stark verändert, und die Geschlechterhierarchien sind in Frage gestellt worden. Doch bis heute wird das Merkmal ‚weiblich‘ in den Künsten als gesonderte Kennzeichnung einer Minderheit eingesetzt. Das muss sich ändern.“

Apropos Frauen und Literaturpreise: Die britische Wissenschaftlerin Nicola Griffith präsentiert in einem umfassenden (englischsprachigen) Artikel Zahlen dazu, wie oft in den letzten 15 Jahren frauenzentrierte Romane renommierte Literaturpreise gewonnen haben. Ihre Analyse ist ernüchternd: „It’s hard to escape the conclusion that, when it comes to literary prizes, the more prestigious, influential and financially remunerative the award, the less likely the winner is to write about grown women.“

Dass wir bei den BücherFrauen immer auch die weibliche grammatische Form verwenden, ist ja nun keine Überraschung. Für viele andere Autorinnen und Autoren, off- wie online, ist das aber immer noch nicht selbstverständlich. Anatol Stefanowitsch stellt im Sprachlog nun eine Studie vor, die den Einfluss von geschlechtergerechter Sprache auf die Wahrnehmung eines Berufs durch Kinder untersucht: „Die Art, in der wir über stereotyp männliche Berufe reden, hat vor allem einen Einfluss darauf, ob Mädchen sich diesen Beruf zutrauen. Die konsequente Verwendung von Paarformeln kann dazu führen, dass sie den Beruf als zugänglicher bewerten und ihn für sich selbst als realistische Berufswahl einschätzen.“

Immer wieder wird der Ruf laut nach mehr Frauen in Führungspositionen, aber wie kommen sie dorthin und was steht ihnen dabei im Weg? Annika Reich spricht mit Prof. Dr. Isabell Welpe über weibliche Verhandlungs- und Führungskompetenzen, Geschlechterstereotype und die Stärken von Frauen im Top-Management. „Verhaltensweisen und Eigenschaften, die wir von erfolgreichen Führungskräften erwarten und auch erwarten dürfen, schreiben wir viel eher und leichter Männern zu als Frauen. Wenn Frauen Härte und Durchsetzungsvermögen zeigen – was erfolgreiche Führungskräfte nun einmal in bestimmten Situationen tun müssen –, bewerten wir dies schlechter als wenn Männer dies tun.“

… das ist sie und wir wollen an dieser Stelle auch noch mal herzlich gratulieren! Ohne Frauke würde es den BücherFrauen-Blog (und andere tolle Projekte) gar nicht geben – herzlichen Dank! Auf der BücherFrauen-Website gibt es jetzt Fraukes Lebensweg in seiner ganzen Vielseitigkeit nachzulesen. Wir wünschen ihr auch für die Zukunft viel Inspiration, Tatkraft und Lebensfreude!

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

Ein Kommentar

  1. Frauke Ehlers

    Das ist wieder sehr schön geworden – diese Sammlung an „lesbaren!“ – Dank an die Kurateurin (nennt man das so?) Martha Wilhelm. Die auch die Idee zu dieser schönen neuen Blogreihe hatte. Und Dank auch das nochmalige Teilen der BücherFrau des Jahres Wahl-Nachricht. Ich freue mich täglich drüber und treffe und höre viele, die sich einfach ganz schön mit mir gemeinsam freuen. Und das jetzt noch bis zum Ende des Jahres – da kann dieses jahr doch eigentlich gar nichts mehr schief gehen. 🙂

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