Ein sandiger Weg über eine Brücke zum Meer.

Mit Achtsamkeit ins neue Jahr

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Achtsamkeit boomt. Matthias Horx identifiziert Achtsamkeit in seinem Beitrag als Mega-Trend für 2016.

Aber längst nicht überall, wo das Etikett die Verpackung ziert, ist auch Achtsamkeit enthalten. Achtsamkeit ist mehr als Aufmerksamkeit und Respekt, mehr als Umsicht und Rücksicht. Als gelebte Haltung braucht sie all dies – und noch erheblich mehr.

Als ich vor einigen Jahren erschöpft in einer beruflichen Sackgasse und privaten Krise feststeckte, war sie ein Geschenk: der Schlüssel zu Selbstwirksamkeit auf dem Weg in ein gesünderes Leben. Ein Instrument, um mich immer dann selbst an die Hand zu nehmen, wenn es schwierig wurde. Ein Werkzeug, um in Konflikten im Dialog zu bleiben und bei mir selbst, auch wenn die Fetzen flogen. Der Notausgang zur Besinnungspause, wenn meine alten Antreiber mich in blinden Aktionismus oder Perfektionismus trieben. Eine Oase, um sich vom Kopfkino der Worst-Case-Szenarien bewusst zu distanzieren. Das Erlebnis von Stille, sobald der Gedankenlärm kreative Ideen und echte Erkenntnis blockierte. Ein Kurs im Mensch-Sein – nicht mehr und nicht weniger ist Achtsamkeit.

Vorwärts leben, rückwärts verstehen

Das Leben wird bekanntlich vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Der Versuch, sich als Frau im Alltag zu behaupten, hat einen Preis. Es ist hilfreich, die Spielregeln der Chefetagen zu kennen, aber nicht alle müssen wir uns selbst zu eigen machen, um sie zu beherrschen. Da wir Frauen sehr anpassungsfähig sind, übertreiben wir es manchmal – und verlieren uns in einem fremdbestimmten Dasein. Ich jedenfalls habe es übertrieben, und zwar lange, ohne es zu bemerken, und bin sicher nicht die Einzige. Heute bin ich dankbar, dass ich auf diese Weise die Chance bekam für eine gründliche Inventur und den Start in „meine“ eigene Existenz. Achtsamkeit hat mir das Zepter wieder in die Hand gegeben, zu wählen und bewusst zu entscheiden, statt „automatisch“ zu funktionieren.

Sandiger Brückenweg zum Meer.

Brückenweg zum Meer. Foto: C. Stiller.

Zum Auftakt des neuen Jahres wünsche ich allen, die diese Zeilen lesen, dass sie ihr Leben und Tagewerk ebenfalls nach ihren eigenen Werten, Bedürfnissen und Zielen ausrichten können, statt sich mit Durchhalteparolen durch den Alltag zu prügeln.

Und ich möchte gerne meinen Beitrag dazu leisten, mit dem, was mir geschenkt wurde, eine Basis zu schaffen, dieses „ganz Eigene“ zu finden, ernst zu nehmen und zu leben!

Die Buchbranche ist weiblich:

Viele der Bücherfrauen, die ich kennenlernen durfte, sind vielbegabt: aufgeschlossen, kreativ, wissensdurstig und lebenshungrig, oft auf leise Art und Weise eigen, sensibel, umsichtig – zugleich sehr gegenwärtig, präsent und bewusst bei dem, was sie unternehmen und was sie unterlassen, manchmal extrem introvertiert, manchmal überraschend extravagant und „tough“; und diese Vielfalt macht uns reich.

Gesundheitsprävention ist weiblich – und auf dem Weg der Karriereleiter nach oben verwechseln viele deren Sprossen mit denen im Hamsterrad. Wenn Frau ihren Mann stehen will oder muss, sei es als Freiberuflerin, Alleinerziehende oder auf dem Weg durch die gläserne Decke, läuft sie schnell Gefahr, gegen sich und andere hart zu werden, wie die Eiche im Sturm keine Schwächen zeigen zu wollen, um endlich etwas bewegen und das große Rad mitdrehen zu dürfen. Bis der Körper zuletzt die Notbremse zieht.

Weibliche Tugenden

Achtsamkeit ist weiblich – denn das, was sie ausmacht, sind „weibliche“ Tugenden, die uns und unserem Umfeld gut tun, aber auch den schöpferischen Prozess beflügeln:

  • Konzentration und Hingabe an das, was jetzt zu tun ist,
  • Vertrauen in das Leben, in andere Menschen und uns selbst,
  • Geduld und Freundlichkeit für alles, was sich nicht beschleunigen lässt,
  • Dinge so sein lassen können: beobachten, annehmen und loslassen,
  • Gegenwärtigkeit statt Ärger über Schnee von gestern und Sorgen um morgen,
  • Neugier und Entdeckergeist gegenüber den Dingen, die wir nicht ändern können,
  • Mitgefühl – besonders dann, wenn wir mit uns oder anderen im Clinch liegen.

Vielleicht sind wir Bücherfrauen schon alle so achtsam, dass das für uns „kein Thema“ ist. Zumindest ergab meine Suche nach dem Begriff und seinen Varianten auf unserer Homepage knapp zwei Treffer. Aber vielleicht ist da doch ein Bedarf, mehr davon in unsere Arbeit, unser Netzwerk und in die Welt zu tragen. Falls ja, freue ich mich darauf!

Szenarien für mehr Achtsamkeit: Vorschläge an BücherFrauen

Zwei Szenarien schweben mir vor und ich bin offen für eure Vorstellungen:

  • ein Format wie die Sommerakademie auf Sylt: Achtsamkeit & Ich-Zeit, Gehmeditation am Strand, Yoga mit Blick auf die Gezeiten, in Stille sein, mit anderen Bücherfrauen, die innehalten wollen, um bei sich selbst anzukommen – wer von euch hat Lust dazu?
  • Achtsamkeit für Bücherfrauen, die vor dem nächsten Karriereschritt stehen, die sich beruflich auf eigene Beine stellen und „ihr Ding“ machen wollen, die Führungsaufgaben übernehmen oder abgeben – z.B. im Rahmen der Führungsakademie, bevor es zu spät ist, zu gestalten, was uns schnell über dem Kopf wächst und aus dem Ruder laufen kann.

Mein Wunsch ist, diesen Impuls in unser Netzwerk zu tragen; mein Beitrag ist weniger fachlicher, eher existenzieller Natur, sozusagen eine Basis für gutes und entspanntes Arbeiten, gesundes und glückliches Leben. Gebt mir gerne eure Anregungen, Wünsche und Ideen mit auf den Weg – ich bin gespannt und neugierig auf euer Feedback!

Mit diesem kleinen Aufruf wünsche ich euch einen guten Start in ein kerngesundes, freundliches Jahr 2016 – es gehört uns, machen wir gemeinsam das Beste daraus!

Herzliche Grüße von der stürmischen Nordsee,
Caroline

Caroline Stiller

Autorin: Caroline Stiller

Caroline Stiller, geboren 1971 in Berlin, ist in Kiel mit Deutsch und Dänisch ins Lehramt gestartet, hat danach als Redakteurin Lehr- und Lernmedien entwickelt und sich im Rahmen eines MedienMBA auf digitale Strategien im Bildungswesen spezialisiert. Als Personal- und Organisationsentwicklerin begleitete sie Strategieprozesse, als Gesundheitscoach leitete sie Projekte zur betrieblichen Gesundheitsprävention. Heute sorgt sie als Coach, Achtsamkeits- und Lachyoga-Trainerin für gesundes, produktives Arbeiten – am Meer, wo andere Urlaub machen: www.unternehmen-achtsamkeit.de.

5 Kommentare

  1. Liebe Caroline,
    hab ganz herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag, der in der Tat ein wenig innehalten lässt und neugierig macht. Ich selbst praktiziere Achtsamkeit seit vielen Jahren und binde die Ideen auch gern in meine Workshops und Seminare ein. Eine größere Verbreitung im Netzwerk und im Arbeitsalltag befürworte ich unbedingt! Vielleicht hättest du Lust, auf der nächsten Vollversammlung in Berlin für die Teilnehmerinnen eine Kennenlern-Einheit in Achtsamkeit anzubieten? Herzliche Grüße von Christiane Engel-Haas

  2. Liebe Caroline, danke für den Beitrag. Ich hatte beim lesen allerdings etwas Bauchschmerzen. Ich weiß nicht, ob es so etwas wie „weibliche Tugenden“ gibt. Als BücherFrauen wollen wir etwas bewegen und dieses ganze Achtsamkeitsthema wird für meinen Geschmack zu oft benutzt um Frauen zurück in Wohnungen oder Spas zu bringen und sie dort entspannt und passiv zu machen. Ich übertreibe jetzt ein bischen, aber die Gleichsetzung von Frau und Achtsamkeit, Welness, Entschleunigung usw. finde ich nicht gut. Hier haben wir wieder die passive Frau, die der Außenwelt entgleitet bzw. vor ihr flieht und sich in einer warmen weichen Welt irgendwo einkuschelt. Durch das Herumreiten auf dem Bedürfnis sich zu erholen, zu sich zu kommen usw. wird vor allem Frauen klar gemacht, dass die Welt da draußen zu hart sei – und wir alle müssen uns ihr aber stellen. Ich mache selber Yoga und meditiere ab und zu und ich weiß, wie wichtig es ist, die eigenen Kräfte zu schonen und auch wie wichtig Achtsamkeit für das „Menschsein“ ist. Aber meiner Ansicht nach ist das eine Aufforderung oder Aufgabe für beide Geschlechter und hat nicht zwingend was mit Weiblichkeit (was das auch immer sein mag) zu tun. Mein Kommentar geht jetzt über den Beitrag hinaus, aber ich wollte nur ausdrücken, das „Achtsamkeit“ als Aufforderung an Frauen nicht immer so unschuldig ist, wie sie scheint. Trotzdem nehme ich bei der Jahrestagung gerne teil!

    • Das war auch genau mein Gedanke! Achtsamkeit in allen Ehren, aber mein Traum ist eine Welt, wo keine Frau mehr „ihren Mann stehen muss“ – weil es solche Kategorien gar nicht mehr gibt. Wo jeder Mensch einfach sich selbst sein darf. Punkt. Meine Achtsamkeit im Alltag konzentriert sich genau hierauf – was mag ich, was will ich und was nicht? Was tue (oder nicht) ich nur für andere oder schlimmer, weil man es als Frau eben tut (oder nicht)? Und ich stelle eines fest: Es ist verdammt viel mehr, als ich zunächst gedacht hätte. Es durchdringt alles. Und das will ich nicht mehr. Denn es schränkt ganz furchtbar ein. Ich bin eine Frau (und Mutter), die sich für Wissenschaft und Technik interessiert. Und neuerdings dazu einfach offen steht. Ich kann nur sagen… probiert es aus. Es ist nicht einfach, aber oft erstaunlich, was dann alles passiert.

      Übrigens, dafür liebe ich das Internet. Endlich weiß ich auch, dass ich kein Sonderling bin, sondern viele mit den klassischen Rollenzuschreibungen ihres Geschlechts nicht ganz übereinstimmen… wem nicht sogar fast alle.

  3. Frauke Ehlers

    Ich freue mich sehr über diesen Beitrag liebe Caroline. Ich weiss es ist schon eine Weile her, da hast Du mir erzählt von Jon Kabat-Zinn. Auf Buchtitel reagiere ich schnell, und habe es mir bestellt und viel zwischen Mannheim und Stuttgart hin und hergetragen. Plötzlich war es nicht auffindbar und dann habe ich es im Herbst endlich wieder gefunden und dann wirklich mit lesen angefangen.
    Jetzt bin ich fast durch, versuche an der einen oder anderen Stelle im Alltag Anregungen zu integrieren. Szenario 1 gefällt mir sehr gut.

  4. Liebe Caroline,

    Was ein schönes Neujahrs Wünsch. Obwohl wir bereits Mai sind, hoffe ich dass alle Frauen (und Männer) Frieden in sich selbst zu finden. Vielen Dank für Ihre Artikel.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Amalia

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