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sichtbar: Claudia Reinert – Webfrau in Stuttgart und Lektorin im Gmeiner-Verlag

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Vorhang auf und Bühne frei für engagierte Frauen. Ehrenamt und Engagement bekommen in dieser Blog-Interviewreihe ein Gesicht. Die Fragen stellt die zweite Vorsitzende der BücherFrauen, Natalia Werdung. Heute: Claudia Reinert – Webfrau in Stuttgart und Lektorin im Gmeiner-Verlag.

Die regionale Webfrau der Regionalgruppe Stuttgart: Claudia Reinert. Foto: Barbara Scholz.

Die regionale Webfrau der Regionalgruppe Stuttgart: Claudia Reinert. Foto: Barbara Scholz.

Wer bist du und wie bist du zu Deiner Aufgabe bei den BücherFrauen gekommen?

Im Berufsleben bin ich Lektorin im Gmeiner-Verlag in Meßkirch – und im Ehrenamt die Webbeauftragte der Stuttgarter Städtegruppe. Das kam so: Weil ich ein bisschen über meinen Schreibtischrand blicken wollte, bin ich 2012 nach Stuttgart zum Speeddating der Bücherfrauen gefahren – so lernte ich Isabell Fischer, Katrin Schroth und Anne Betten kennen, die damaligen Funktionsfrauen dort. Da Katrin Schroth die gesamtdeutschen Finanzen übernahm, wurde ihre Stelle als Finanz- und Webbeauftragte der Städtegruppe frei – und Susanne Reiß und ich rückten nach. Ein Stück weit war’s Interesse, ein Stück weit glücklicher Zufall.

Wichtig war dabei auch die Distanz: Als „Webfee“ kann ich auch aus 150 Kilometer Entfernung gute Arbeit abliefern und muss nicht schnell etwas vor Ort organisieren.

Was macht dir dabei am meisten Spaß?

Um es mit Keats zu sagen: A thing of beauty is a joy for ever. Ich glaube, das Schaffen von etwas Schönem, Sinnvollem und das Gestalten von Inhalten machen mir Spaß. Deswegen bin ich ja auch Lektorin. Zwischen Ehrenamt und Beruf bestehen natürlich einige Unterschiede – Thema, Zielgruppe, Medium, Software, um nur ein paar zu nennen. Aber die Freude daran speist sich bei beiden aus dem Erschaffen von etwas Neuem.

Jetzt habe ich zweimal „schaffen“ fallen lassen – wahrscheinlich lässt sich meine schwäbische Herkunft nicht so leicht verleugnen. Und das obwohl ich seit einigen Jahren in Baden wohne. Ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass ich es angenehm finde, dass mein Ehrenamt nicht viel Zeit kostet, sich also kein „Überdruss-Faktor“ einstellt. In die Webseitenpflege stecke ich monatlich höchstens drei Stunden. Damit schiebe ich mit Sicherheit die ruhigste Kugel der ganzen Städtegruppe.

Warum bist du bei den BücherFrauen aktiv?

Zunächst ist es für mich eine politische Geschichte: Ich finde, die Branche vergeudet Talent, wenn ich bei den Buchtagen im Verlegerausschuss größtenteils grauhaarige Herren sitzen sehe und bei den Nachwuchsleuten verhuschte junge Volontärinnen, Praktikantinnen und Azubinen. Ich würde mir wünschen, dass das in zehn, 20 Jahren anders aussieht.

Dann ist das Netzwerk für mich hochpraktisch, wenn ich im Verlag sitze und mir denke: „Eigentlich brauche ich diese und jene Dienstleistung.“ Manchmal hilft das Blaue Buch [das Mitgliederverzeichnis der BücherFrauen, Anmerk. der Redaktion], manchmal werde ich durch das persönliche Netzwerken fündig.

Und schließlich ist es eben auch ein soziales Netzwerk: Beim Stammtischgespräch mit einer BücherFrau aus einem Fachverlag oder einer Buchhändlerin lernt man, Alltagsprobleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Was hast du im Ehrenamt gelernt?

Man lernt Leute sehr gut kennen, wenn man mit ihnen gemeinsam Projekte stemmt. Das bringt Erfahrung über den normalen Arbeitsalltag hinaus – beruflich und persönlich.

Und: CMS-Backends sind aus Anwenderperspektive wie Bücher von Dan Brown: Kennst du eines, kennst du alle, ob Joomla, Typo3 oder Sixcms.

Was tust du, wenn du nicht für die BücherFrauen aktiv bist?

Im Beruf baue ich die Reihe „Lieblingsplätze“ im Gmeiner-Verlag aus: Wir haben seit diesem Jahr 55 Bände auf dem Markt, nächstes Jahr folgen 14 weitere. Das ist der größte Garten, in dem ich ansäe, gieße, dünge, umgrabe – und irgendwann auch ernte. Dabei bin ich zum Glück nicht allein, wir sind ein mittlerweile gut eingespieltes Team aus Lektorat, Mediengestaltung, Vertrieb und Marketing.

Hobbymäßig mache ich seit zweieinhalb Jahren Aikido. Das ist mein Gegenpol zu all dem Text, aus dem mein Leben sonst besteht, denn Sprache beschreibt nur sehr unzureichend, welche Bewegungen man bei einer Kampfkunst ausführt. Ich habe mal versucht, eine Kata zu verschriftlichen: Ein Desaster, zum Glück weiß kein Japaner davon …

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Fürs nächste Stuttgarter Jahresprogramm (2015) bin ich Veranstaltungspatin für einen Vortrag zum Thema „Typografie für Nicht-Mediengestalterinnen“ – und ich suche noch eine Referentin. Wenn sich jemand im größeren Umkreis angesprochen fühlt: Ich würde mich freuen, meldet euch einfach bei mir!

Was ist Dein Lebensmotto?

Das wechselt alle paar Jahre. Im Studium hätte ich Jorge Luis Borges gewählt: „Ich hatte mir das Paradies immer wie eine Bibliothek vorgestellt.“ Momentan klebt Karl Kraus an meinem Bildschirm: „Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.“ Mal sehen, was die nächsten Jahre bringen.

Interview: Natalia Werdung


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