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Bloggerinnen schenken Lesefreude: Anne Garréta: Sphinx

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Wow, was für ein Buch, so intensiv wie eine durchtanzte Nacht! Es ist eine berauschende Liebesgeschichte zweier Menschen, deren Geschlecht im Unklaren bleibt. Es geht um Ich und A***, die sich in der Pariser Discoszene kennenlernen.

Ich ist, so viel wird verraten, weiß, jung, studiert Theologie und gerät im Laufe der Erzählung durch Zufall an einen Job als DJ. A*** ist schwarz, zehn Jahre älter als Ich und tanzt in einer Revue.

„Unser Äußeres sprach gegen uns, unsere Intimität verstieß gegen den gesunden Menschenverstand, der wollte, dass sich Gleiches zu Gleichem gesellte. Und weil die Farbkombination als unmöglich galt, wurde unsere Verbindung als widernatürlich empfunden.“

Die Autorin ermöglicht den Lesenden mit dieser Figurenkonstellation den größtmöglichen gedanklichen Freiraum und spielt dennoch gleichzeitig mit Stereotypen. Einerseits ist man als Leserin wie bei einem Krimi auf der Suche nach eindeutigen Hinweisen. Andererseits ist es aber auch unheimlich befreiend, dass Geschlechter diesem Buch keine Grenzen auferlegen. Somit entfallen immer wieder gelesene Themen und Aspekte, die mit der Beschränktheit der Geschlechter zu tun haben. Hier stehen zwei Menschen, ihre gegenseitige Anziehungskraft und ihre Beziehung zueinander im Mittelpunkt.

Das Erzähl-Ich stellt sich im Laufe des Romans existenzielle Fragen nach der eigenen Identität. Und da kommen wir an den Punkt, inwieweit die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht die Frage „Wer bin ich?“ beeinflusst. Es wird nicht die einzige Frage bleiben, an der die Lesenden für sich persönlich weiterdenken können.

Sphinx ist der erste Roman von Anne Garréta und erschien im französischen Original 1986. Auch nach 30 Jahren hat dieses schriftstellerische Experiment von seiner Aktualität kein bisschen eingebüßt und verdient eine ausdrückliche Leseempfehlung.

Übrigens: Sphinx, das rätselhafte Wesen aus einem Löwen und einer beflügelten Frau, kann auch nicht eindeutig als Frau oder Mann festgelegt werden.

Ein Exemplar des Buches gewinnen – #bloggerschenkenlesefreude

Im Rahmen der Aktion Bloggerinnen schenken Lesefreude, an der wir uns mit unserem BücherFrauen-Blog beteiligen, habt ihr die Möglichkeit, dieses Buch zu gewinnen. Bitte kommentiert unter diesem Beitrag, warum ihr gerade Sphinx gewinnen möchtet. Mit eurem Kommentar nehmt ihr dann an der Verlosung teil. Es kann bis zum 7. Mai kommentiert werden. Anschließend wird die Gewinnerin/der Gewinner ausgelost. Viel Glück!

Zur Autorin: Anne Garréta wurde 1962 in Paris geboren. Sie arbeitet als Dozentin an der Université de Rennes 2 und der Duke University in North Carolina, USA. 2000 wurde sie aufgrund von »Sphinx« in den Autorenkreis Oulipo aufgenommen – als erstes Mitglied, das nach der Gründung der Gruppe (1960) geboren wurde. Sie hat bisher sechs Romane geschrieben, zuletzt »Éros Mélancolique« (mit Jaques Roubaud), erschienen 2009. Für ihren Roman »Pas un jour« erhielt sie 2002 den Prix Médicis, der jährlich für das Werk eines großen, aber viel zu unbekannten literarischen Talents verliehen wird.

Buchcover Sphinx Anne Garréta: Sphinx. Roman.
edition fünf 2016.
gebunden, mit Lesezeichen, 184 Seiten.
Deutsch von Alexandra Baisch
Mit einem Nachwort von Antje Rávic Strubel
ISBN 978-3-942374-83-5

EURO 19,90

 

 

 

 

Autorin: Jana Stahl

Jana Stahl ist freie Lektorin und Journalistin in Heidelberg. Parallel zur Textarbeit koordinierte sie von 2012 bis 2015 die Webaktivitäten der BücherFrauen, unter anderem auch in diesem Blog. Seit 2015 ist sie im Vorstand der BücherFrauen und seitdem inzwischen auch als #1teBFonTour unterwegs. Im Internet außerdem auch zu finden als Die Wortratgeberin.de. (Google+: Jana Stahl)

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