Das E-Book-Camp München aus BücherFrauen-Sicht

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Das erste E-Book-Camp Süd fand am 15. Februar 2014 im sonnigen München statt und zog über 100 Interessierte aus der ganzen Republik an. Sechs Stunden lang bot sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der kreativen Atmosphäre des ImpactHUB die Möglichkeit der Vernetzung, des Informationsaustausches und der Weiterbildung in Sachen Elektronisches Publizieren. Ausgerichtet wurde das E-Book-Camp Süd vom Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP) und dem Landesverband Bayern im Börsenverein, gefördert vom Mediennetzwerk Bayern und unterstützt von Cluster Druck und Printmedien.

Birgit Bramlage. Foto privat.

Birgit Bramlage. Foto privat.

Die Programminhalte waren ausgerichtet auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Print-Verlagen genauso wie aus kleinen Start-up-Digital-Verlagen. Mit dabei waren auch Kolleginnen und Kollegen aus Unternehmen angrenzender Kreativindustrien, freischaffende LektorInnen, PersonalvermittlerInnen, BuchhändlerInnen und Studenten.

In neun Sessions verteilt auf drei Zeitschienen wurden unter anderem Fragen des zeitgemäßen Marketings für digitale Produkte von Luise Schitteck und Carina Waldmann (readbox) präsentiert und mit dem Fachpublikum diskutiert. Wie man anspruchsvolle E-Books im EPUB2-Format technisch herstellt, erläuterten Ursula Welsch und Fabian Kern in einem sehr anschaulichen Vortrag. Zudem gab der Buchhändler Robert Stöppel engagiert Auskunft über den E-Book- und E-Book-Reader-Verkauf im stationären Buchhandel. Es wurden eine Übersicht über Digitalverlage und ihre Verlagsprogramme geboten, Change-Management-Prozesse in (bisherigen) Print-Verlagen analysiert und in die nahe Zukunft geblickt mit der Fragestellung: Was kommt nach dem EPUB?

Die Begeisterung der Anwesenden im Hinblick auf die locker präsentierten Programminhalte und das Networking war groß. Für all jene, die keine Karte mehr ergattern konnten, gab es ein reges Info-Getwitter (#ebcmuc) und eine Videoaufzeichnung aller Sessions. Die Mitschnitte werden im Netz bald unter http://ebookcamp.wordpress.com/ auffindbar sein.

Zoë Beck, freie Autorin, Redakteurin und Verlegerin bei Culturbooks äußerte sich so zum ersten E-Book-Camp Süd: „Tolle Veranstaltung, lauter Menschen mit ganz viel Aufbruchstimmung und richtig guter Laune. Und es geht um die Zukunft des Buchhandels und der Autoren.“ Dem kann ich mich begeistert anschließen und auf eine Fortsetzung der E-Book-Camp-Initiative hoffen. Hier folgen nun die Eindrücke von den BücherFrauen Jana Stahl, Michaela Noack-Wied und Simone Dalbert, die ebenfalls am E-Book-Camp in München teilgenommen haben.

Birgit Bramlage, arbeitet als freie Redakteurin für Medienunternehmen (Print- und Online-Produkte), Referentin für Online-Journalismus und Online-PR, Bloggerin und Autorin von Geschenkbüchern; langjährige Erfahrung als Lektorin und Produktmanagerin in Verlagen; Referenzen unter www.buch-buero.de.

Jana Stahl: Bücher fürs Handgelenk

Jana Stahl. Foto: privat.

Jana Stahl. Foto: privat.

Breit gefächerter hätten die Eindrücke nicht sein können, die ich von meinen Sessions auf dem E-Book-Camp aus München mitnahm. Weil ich reine Digitalverlage bisher kaum wahrgenommen hatte, nahm ich an der Session „E-Book only: Digitalverlage und E-Book-Reihen“ von Jan Karsten von Culturbooks teil. Der junge Verleger (Verlagsgründung Oktober 2013) stellte nicht nur seinen eigenen Digitalverlag vor, sondern gab einen Überblick über reine Digitalangebote, zum Beispiel:

Sowie digitale Verlagsreihen:

Jan Karsten hatte sich in seine Session weitere Digitalverleger eingeladen, die aus dem digitalen Verlagsalltag und über ihre Gründungsgeschichte berichten konnten: Jakob Meiner von hey! Publishing und Maximilian Dorner, Sprecher der Autorenedition Sarabande. Allesamt spannende Projekte, bei denen es sich lohnen dürfte, sie weiter zu verfolgen. Hey! Publishing hat es vor allem beim abendlichen Netzwerken mit einer pfiffigen Marketingidee geschafft, sich bei mir nachhaltig in Erinnerung zu bringen: Von Verlagsmitarbeiterin Sabine Hafner bekam ich „Bücher fürs Handgelenk“, die ich mir inzwischen vom Armband auf den E-Book-Reader geholt habe und fleißig darin schmökere.

 

Bücher fürs Handgelenk. Foto: Jana Stahl.

Bücher fürs Handgelenk. Foto: Jana Stahl.

Trotz Affinität zum E-Book glaube ich weiter an den Buchhandel und begebe mich auch regelmäßig in Heidelberg an den „Point of Sale“, um Bücher zu verkaufen, demnächst vielleicht auch E-Books? Darin zumindest hat mich der engagierte Buchhändler Robert Stöppel bestärkt, der in seiner Session beschrieb, wie er selbst als einst überzeugter „Papierbuchhändler“ zum E-Book kam und das elektronische Medium auch als Angebot in seine Buchhandlung in Weilheim aufnahm. Ja, er steckt viel Arbeit und Engagement in den Verkauf von E-Book-Readern, vor allem mit dem Ziel, die Kunden dazu zu bringen, in seinem Shop zu kaufen. Aber es stärkt seine Kompetenz als Buchprofi an seinem Standort. Die Kunden danken es ihm: „Wir freuen uns, dass Sie das anbieten, dann müssen wir nicht bei Amazon kaufen.“

Einen abschließenden Überblick über den Tellerrand bot die Session zu den internationalen E-Book-Märkten von Johanna Krobitzsch und Richard Haupt von Bookwire.

Jana Stahl ist nach einem Studium der Buchwissenschaft und der Arbeit als Verlagslektorin seit 2009 selbstständig als „Wort-Ratgeberin“. Sie redigiert und korrigiert für Verlage vor allem Wirtschaftssachbücher und Ratgeber zu Beruf und Karriere. Digitale Erfahrung in der Arbeit als Webkoordination der BücherFrauen e. V. (Webseite, Blog, Social Media).

Michaela Noack-Wied: Erfolgreich Ticket ergattert

Michaela Noack-Wied. Foto: privat.

Michaela Noack-Wied. Foto: privat.

Für die E-Book-Camps in Hamburg hatte ich bisher noch nie ein Ticket ergattern können, aber für München. Und das auch nur, weil ich mir den Termin der zweiten Anmeldephase im Kalender – mit Erinnerung – eingetragen hatte. Sonst hätte das nicht geklappt. Am 7. Januar, Punkt 14 Uhr hatte die Anmeldung begonnen. Um 14:07 Uhr hatte ich meine Karte.

Dass das E-Book-Camp also Nutzen für die Teilnehmer versprach, war bei diesem schnellen Ausverkauf klar. Kein Wunder bei dem, was man von den Vorgängerveranstaltungen in Hamburg gehört hatte und was das Programm versprach: Die Slots waren breit gefächert und sauber aufeinander abgestimmt.

Was meines Erachtens für ein nächstes E-Book-Camp durchaus optimierungsfähig ist: die Vorstellung der Slots. In der ohnehin schon kurzen Zeit, die ein einzelner Samstagnachmittag bietet, braucht es nicht noch eine Vorstellung der Slots, wenn man das zum Beispiel schon im Vorfeld digital machen könnte. Entweder als Text oder warum nicht auch als Video- oder Audiobeitrag auf der Website? Alternativ könnte man auch die Zeitspanne der Veranstaltung verlängern. Samstags früher anfangen. Bringt für die einen oder anderen Mehrkosten mit sich, weil dann eine Übernachtung nötig wird. Wenn ich das aber richtig überrissen habe, dann waren ganz viele Münchener da. Dann noch Teilnehmer mit einer ganz weiten Anreise – es waren auch Hamburger und Bielefelder dabei: Die müssen wohl schon einen Tag vorher die Koffer am Ort haben, sonst stehen sie mitten in der Nacht auf. Also trifft es nur die „da zwischen“, z.B. die Stuttgarter, die Frankfurter etc. Ich bin aktuell Wahl-Frankfurter. Beide Strecken an einem Tag zu fahren, wäre mir selbst mit der Bahn zu stressig geworden. Also kombinierte ich meine Reise noch mit einem Dienstleisterbesuch und der Teilnahme der Langen Nacht der E-Books. Wie ziemlich viele andere Anwesende übrigens auch.

Bei der aber nun mal festgelegten Terminlage, hatte ich jedenfalls den ganzen Vormittag Zeit, das schöne Wetter zu genießen. Zwischen 15 und 20 Grad in der Sonne, schätze ich … Draußen war’s wärmer als drinnen. Auch wenn die Räumlichkeiten mit ihrem Baustellencharakter zum Thema passen mögen, würde ich fürs nächste E-Book-Camp gerne anregen, eine Mindesttemperatur von 18 Grad nicht zu unterschreiten. Oder sonst zumindest die Teilnehmer im Vorfeld unbedingt darauf hinweisen, dass man sich entsprechend anziehen sollte.

In den Pausen und den Diskussionen die etwa 120 Anwesenden kennenzulernen, war eine Herausforderung. Auch dafür war die Zeit eines Nachmittags zu knapp. Aber hier ein Lob an die Organisatoren: Dass, was überhaupt möglich war, wurde möglich gemacht. Danke! Ich habe viele neue Leute kennengelernt. Vertiefen muss ich die Gespräche dann bei der nächsten Gelegenheit. Und was immer an erster Stelle steht, soll hier den Abschluss bilden: Das Catering war klasse: Nicht nur Kaffee, sondern auch Tee in größeren Mengen. Brezeln, Obst. Was will man mehr?

Nach einem Medienmanagement-Studium an der FH Mittweida (Abschluss 2006) folgten für Michaela Noack-Wied Stationen als Produktionsassistentin und Produktionsleiterin bei verschiedenen Fernsehfilm- und -serienproduktionen. Im Jahr 2008 wechselte sie zu MVS Medizinverlage Stuttgart als Projektmanagement-Volontärin im Mediaservice, der B2B-Abteilung des Unternehmens, und wurde anschließend als Projekt- und Vertriebsmanagerin für den Bereich Corporate Publishing übernommen. Seit Anfang 2013 ist sie als Produktmanager Media Development print/digital bei der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH tätig. Hier ist sie für die Weiterentwicklung des Börsenblattes und des Buchjournals zuständig.
Zum Xing-Profil von Michael Noack-Wied.

Simone Dalbert: Stimmige Veranstaltung

Simone Dalbert. Foto: privat.

Simone Dalbert. Foto: privat.

Mit Papiergeflüster durfte ich als Podcasterin beim ersten Münchner E-Book-Camp dabei sein und die Stimmung (und Stimmen) einfangen. Aber auch ein paar der Vorträge konnte ich hören.

Als erste Session hatte ich mir „Anspruchsvolle EPUB-E-Books selber machen“ von Ursula Welsch und Fabian Kern ausgesucht. Bisher hatte ich E-Books nur gelesen, hier habe ich gelernt, wie aus einer Word-Datei ein EPUB mit etlichen Spezialeffekten, wie Verlinkung der Orte auf Google-Maps und Querverweisen, werden kann. Dank liebevoller Details beim Einarbeiten der Abbildungen wurde tatsächlich ein sehr schönes EPUB aus einem sehr schönen gedruckten Buch. Leider kann man viele Möglichkeiten eines besonderen EPUBs nur am Tablet nutzen, E-Book-Reader kommen da schnell an ihre Grenzen.

Danach hat uns der Buchhändler Robert Stöppel berichtet, wie er in seiner Buchhandlung E-Books und E-Book-Reader verkauft. Für mich als Buchhändlerin natürlich eine Pflichtveranstaltung. Von vielen Buchhändlern werden E-Books verteufelt, Robert ist allerdings der gleichen Meinung wie ich: Wenn die Kunden sie lesen wollen, müssen wir sie anbieten können. Sonst kauft der Kunde schnell alles in einer anderen Buchhandlung. Um erfolgreich E-Books zu verkaufen, muss man allerdings selbst ein gewisses Maß an Begeisterung für diese Form des Lesens besitzen, sonst fällt es schwer, seinen Kunden mit den häufig auftretenden Problemen mit dem harten DRM zu helfen. DRM macht es den Buchhändlern unnötig schwer, E-Books erfolgreich zu verkaufen. Ich hoffe, die Verlage sehen bald ein, dass es nicht gegen Raubkopien hilft, aber ehrlichen Lesern das Lesen schwer macht.

Beim E-Book-Camp stimmte einfach alles, die Sonne schien, der ImpactHub war eine großartige Location, es gab spannende Vorträge und Diskussionen, dazwischen genügend Zeit, sich spontan mit anderen Teilnehmern auszutauschen. BarCamps sind als Vernetzungsort ideal, ich finde es großartig, dass es nun auch im Süden ein E-Book-Camp gibt und freue mich auf die Fortsetzung 2015!

Simone Dalbert ist Buchhändlerin in Würzburg und kann auch in der Freizeit nicht von Büchern lassen. Auf www.papiergefluester.com bloggt sie über und rund um Bücher und veröffentlicht Podcasts zu verschiedenen Bücherthemen.

Weitere Links zum E-Book-Camp München, eine Auswahl:

Autor: Jana Stahl

Jana Stahl ist freie Lektorin und Journalistin in Heidelberg. Parallel zur Textarbeit koordinierte sie von 2012 bis 2015 die Webaktivitäten der BücherFrauen, unter anderem auch in diesem Blog. Seit 2015 ist sie im Vorstand der BücherFrauen und seitdem öfter als #2teBFonTour unterwegs. Im Internet außerdem auch zu finden als Die Wortratgeberin.de. (Google+: Jana Stahl)

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