Geschichten wollen erzählt werden – Schreibwerkstatt mit Tania Witte

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„Ich frage mich, warum…“, lautete der erste Satzanfang, den uns Tania Witte gleich zu Beginn des Schreibworkshops vorgab. Dann hieß es einfach drauf los zu schreiben, was uns in den Sinn kam. Im Minutentakt warf sie neue Satzanfänge in den Raum: „Freiheit ist…“, „Weißt Du noch, wie wir…“.

Diese Figur begrüßte die Teilnehmerinnen der Schreibwerksatt mit Tania Witte im Alten Volksbad in Mannheim und genau so flogen uns auch die Worte und Ideen an dem Tag zu. (Foto: Dagmar Eckhardt)

Automatisches Schreiben nennt sich diese Technik, die uns befähigt zu schreiben, ohne groß nachzudenken. Das schaltet den inneren Kritiker aus, nimmt die Angst vor dem leeren Blatt und verschafft unverhoffte Gedankensprünge und Querverbindungen.

Tania Witte hat dafür ein großes Glas mit kleinen Zetteln, auf denen Satzanfänge vermerkt sind. Das und fünf Minuten Zeit genügen bereits, um sich im Alltag einen kreativen Freiraum zu erschaffen. Wer jetzt mit einem „Ja, aber – so entsteht doch kein Roman?!“ antwortet, dem schmettere ich nach diesem Workshop ein fröhliches, selbstbewusstes „Stimmt!“ entgegen und lehne mich entspannt zurück. Ich weiß jetzt, wie wohltuend und befreiend bereits fünf Minuten Schreibzeit sein können und bin mir sicher, dass sich in dem, was dann entsteht, mehr als nur eine gute Idee befindet, die sich dann weiter verwenden lässt.

Anlauf nehmen und in die Schreibpraxis springen

Für uns Teilnehmerinnen bedeutete dieser Einstieg vor allem, Anlauf zu nehmen und mitten in die Schreibpraxis zu springen. Dort blieben wir auch für die nächsten vier Stunden. Auf jede neue Schreibaufgabe folgte eine Runde Vorlesen, bei der sich die, die wollten, Feedback einholen konnte. Von Anfang an hatte Tania Witte klar gemacht, dass ihr positives Feedback wichtig ist, denn mit unserem inneren Kritiker haben wir alle schon genug zu kämpfen. So entstand schnell eine sehr offene, herzliche Atmosphäre. Wir haben alle gerne über die Texte der anderen gestaunt und wirklich jede Teilnehmerin hat sich mit den anderen über Ideen und gelungene Beschreibungen gefreut. Mehr als einmal haben wir bedauert, dass wir nicht erfahren konnten, wie die so spontan entstandene Geschichte weitergehen wird.

Tania Witte (Foto: Risk Hazekamp)

Das wohltuende Geräusch von Stift auf Papier

Jede neue Aufgabenstellung forderte uns ein wenig mehr heraus. Sinnlicher schreiben, Metaphern und Vergleiche nutzen, spezifischer schreiben. Auf einmal hatte ich das Foto eines Jungen in der Hand. Er versuchte, beim Rauchen cool zu wirken, und trug ein T-Shirt einer Hardrock-Band. Wie heißt der, wo lebt er, wovon träumt er und wovor hat er Angst? Was würde er tun, wenn er an einem ihm unbekannten Ort aufwachen würde? Du hast 10 Minuten Zeit, deine Geschichte zu schreiben. Und ich schrieb.

„Ich entwickel, je länger ich die Workshops gebe, eine Leidenschaft für das Geräusch von Stift auf Papier“, meinte Tania Witte. Ich kann es nachvollziehen. Neben den vielen Tipps, die sie uns geben konnte, wird mir etwas ganz anderes im Gedächtnis bleiben: Ihre enorme Begeisterung für jede gelungene Formulierung, für jede eigenständige Idee und für jedes Fitzelchen einer guten Story, die sich in diesem vierstündigen Workshop zeigte. Das motiviert, das tut gut und wird bei uns Teilnehmerinnen für viele neue Worte und Geschichten sorgen.

Infos zu und Veranstaltungen mit Tania Witte auf ihrer Webseite.

Autorin: Dagmar Eckhardt

Seit 1987 bringe ich Menschen, Geschichten und Bücher zusammen. Erst als Buchhändlerin, dann als Bloggerin und heute als Social Media Managerin. Die Aufgabe ist geblieben, die Plattform hat sich geändert. Im Netz findet man mich als GeschichtenAgentin und als Buchkind-Blog und auf Twitter, Instagram und Facebook, meinem zweiten Wohnzimmer.

2 Kommentare

  1. Da möchte man doch gleich zum Stift greifen …

  2. Liebe Dagmar, herzlichen Dank für deine gelungene Zusammenfassung dieses schönen gemeinsamen Vormittags.

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