#lesbar im Juli – Kaffee, Bücher und Leichte Sprache

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Diesen heißesten Monat des Jahres haben wir zugegebenermaßen lieber am Meer als im Netz verbracht, aber trotzdem haben wir hier für euch wieder einige Online-Empfehlungen versammelt. Darunter sind Vorschläge, um positiver mit der viel zitierten Krise der Buchbranche umzugehen, aber auch ein Interview zur Bedeutung der Leichten Sprache und ein interessanter Gedankenausflug über die gemeinsame Geschichte des Kaffees und der Literatur. Wir wünschen viel Spaß beim (klimatisierten) Lesen!

Die Krise der Buchbranche – wie oft haben wir schon etwas darüber gehört oder gelesen? Der Buchgestalter Rainer Groothuis jedenfalls schon viel zu oft. In diesem Kommentar im Börsenblatt plädiert er dafür, nicht weiter über schwindende LeserInnenzahlen zu klagen, sondern stattdessen das Ansehen der Branche hochhalten und sich auf ihre Stärken zu besinnen: „Wie geht es Ihnen? Ich bin es jedenfalls unendlich leid, Mitleidsbekundungen ausgesetzt zu sein, sobald ich über meinen Beruf und meine Kunden spreche – hej, Freunde: Wir machen Bücher, Bücher! Keine von inzwischen mehr als 400.000 Apps im Irgendwo usw. – ach, die Abgrenzung zum Digitalen ist langweilig. Sagen wir doch einfach, wofür wir da sind. Was wir gut können und warum. Und sagen das so, dass man uns hört und versteht, dass wir Sympathien gewinnen und neue Bündnispartner.“

Zum Thema Stärken der Buchbranche empfehlen wir diesen Monat einen weiteren Artikel: Hier schildert die Buchhändlerin Petra Hartlieb, was eine engagierte Buchhandlung so erfolgreich machen kann: „Und Kundinnen und Kunden, die uns erzählen, sie kaufen nur bei uns ein, weil sie uns unterstützen wollen, würde ich am liebsten laut entgegenrufen: Sie kaufen bei uns ein, weil wir gut sind! Weil wir ihnen durch eine durchdachte Vorauswahl helfen, einen Überblick über tausende Neuerscheinungen zu bekommen! Weil unser Service unschlagbar ist! Weil wir freundlich und oft auch lustig sind! Weil Bücher überall das Gleiche kosten … und vieles mehr.“

Leichte Sprache – eine leichter zugängliche Form des Standarddeutschen – hat in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit erfahren, auch in der Verlagsbranche. So läuft aktuell noch bis zum 15. August eine Preisausschreibung der Dudenredaktion und der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim, in deren Rahmen die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache gesucht wird. Passend dazu empfehlen wir dieses Interview mit der Professorin für Medienlinguistik und Leiterin der Forschungsstelle in Hildesheim Christiane Maaß, die hier noch mal gut zugänglich erklärt (hier in Leichter Sprache), was Leichte Sprache ist und warum die ganze Gesellschaft von ihrer Umsetzung profitieren würde: „Es profitiert aber ein weitaus größerer Teil der Bevölkerung von Leichter Sprache, nämlich alle die, die Schwierigkeiten haben mit standarddeutschen Texten – also funktionale Analphabeten, Migranten, Touristen und auch viele ältere Menschen in der Gesellschaft, von denen es ja in Zukunft immer mehr geben wird. Bei richtig schwierigen Texten, etwa aus dem Bereich Recht oder Medizin, profitieren eigentlich fast alle.“

Digitur-Redakteurin Theresa Müller erkundet in diesem sehr sinnlichen Beitrag das Kaffeeangebot in St. Petersburg und skizziert die Entwicklung des öffentlichen Kaffeekonsums – vom Wiener Kaffeehaus bis zum modernen Coffee-to-go. Dabei geht sie auch der Beziehung zwischen Kaffee und Literatur nach: „Der Kaffee dient der Produktivität und die Bar der Kreativität – so zumindest das Konzept der modernen Kaffeebar. Die Bücher, die in den Cafés liegen, sind Teil der Inneneinrichtung und des Lebensstils, der verkauft werden soll. Gelesen wird keines davon. Konsumiert wird meist nur noch in Häppchen. Zeit für eine lange Lektüre, wie es in den Wiener Kaffeehäusern noch üblich war, haben wir heute nicht mehr. Stattdessen scrollen wir auf unseren Handys kurz durch die Schlagzeilen, lesen vielleicht mal einen Text mit einer kurzen Lesedauer von sieben Minuten. Kaffee und Literatur passt heutzutage nicht mehr zusammen, so scheint es.“


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet ihr #lesbar? Schickt uns eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

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