#lesbar im Oktober

| Keine Kommentare

Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden vierten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Der Oktober ist immer eine aufregende Zeit für die Buchbranche. Für uns dieses Jahr noch mehr als sonst: Auf der Frankfurter Buchmesse haben die BücherFrauen feierlich ihr 25. Jubiläum begangen und Frauke Ehlers zur BücherFrau des Jahres gekrönt – und Torte gab’s auch! Andere tolle Frauen haben wir diesen Monat hier bei #lesbar versammelt, darunter Cornelia Funke, Anne Wizorek und lange zu Unrecht vergessene Computerpionierinnen. Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

Die deutsche Bestseller-Autorin Cornelia Funke hat im Oktober Schlagzeilen mit ihrer Entscheidung gemacht, mit Breathing Books einen eigenen Verlag ins Leben zu rufen. Mit Lisa Seeling redet sie über englischsprachige Verlage, Schubladenschreiben und die Lust auf neue Entdeckungen: „Viele Verlage wünschen sich einen Autor, der ein sehr eindeutiges Profil hat – entweder man schreibt nur Bilderbücher oder nur Young-Adult-Literatur (was immer das ist!) Aber dass man ständig etwas neues und anderes tut, ist für die meisten Marketing-Leute ein Albtraum.“

Medienberaterin und Autorin Anne Wizorek hat im Januar 2013 mit #aufschrei eine dringend benötigte Diskussion über Sexismus im Alltag losgetreten. Fast drei Jahre später stellt sie fest, dass ihr Hashtag gekapert wurde, um unter dem Deckmäntelchen der Gleichberechtigung Ressentiments gegen Flüchtlinge zu schüren. Warum dieser Versuch lächerlich und falsch ist, schreibt sie in der taz: „Unsere Gesellschaft ist derweil längst geprägt von hybriden Identitäten. Nur lassen wir an der Debatte immer noch nicht diejenigen teilhaben, die Migrationserfahrung haben, bereits täglich mit Alltagsrassismus konfrontiert und damit die größten Expert_innen sind, um die richtigen Schritte in dieser gesellschaftlichen Entwicklung zu gehen.“

Was finden Frauen am Leben anderer Frauen interessant? Annika Reich wirft einen kritischen Blick in die Amazon-Top-100 von Frauenbiografien, vergleicht sie mit den Männerbiografien und fragt sich, was die Stereotype eigentlich über uns aussagen: „Schaut man sich die Themen an, die deutsche Frauen über das Leben anderer Frauen am liebsten lesen, dann geht es hier hauptsächlich um Todeserfahrung, Kindstötung, Alzheimer, Depression, Vertreibung, Frauen über 80, Krankheits- und Komageschichten, Mutterrollenproblematik und gescheiterte Republikflucht.“

Was ist ein Smartphone und wozu nutzen wir es heute? Digitalverlegerin Christiane Frohmann spricht im buchreport über die Vielseitigkeit des Smartphones, den digitalen Konsum und die Entwicklung der Buchbranche: „Man liest nicht weniger, sondern weniger bewusst und sprunghafter. Menschen lesen faktisch mehr als je zuvor. In Games, im Chat, überall ist Text. Lesen gehört allerdings nicht mehr allein den Buchmenschen, es ist jetzt weniger exklusiv. Das tut Distinktionswächtern weh, aber so ist es nun mal.“

Viele Frauen, die Bemerkenswertes geleistet und Geschichte geschrieben haben, tauchen heute nicht in Geschichtsbüchern auf – vergessen, verdrängt, unsichtbar gemacht. Als krönenden Lesetipp für diesen Monat empfehlen wir daher diesen Artikel über die Anfänge des Computerzeitalters, der die Geschichte von sechs Pionierinnen erzählt, die den ersten Maschinenrechner der Welt programmiert haben, aber einfach aus dem Bild geschnitten wurden: „Die Welt der Informatik war so jung, dass es noch kein rechtes Wort für dieses Tun gab. Weil es so viel Verkabeln mit sich brachte, nannten die sechs Frauen es Stöpseln. Die Männer um sie herum waren aus dem Häuschen. Abgesehen von etwas Anerkennung änderte sich aber nichts. Sie blieben Sub-6er, das Kürzel für subprofessionelle weibliche Angestellte, denen kein Mannslohn zu zahlen war.“

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autor: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.