Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung

| 2 Kommentare

„Wir haben eine Buchhandlung gekauft. In Wien. Wir haben eine Mail mit einer Zahl geschrieben, ein Gebot, einen Betrag, den wir gar nicht hatten, und nach einigen Wochen kam die Antwort: Sie haben eine Buchhandlung gekauft.“

Petra Hartlieb war Pressefrau in Wien und Hamburg und betreibt mit ihrem Mann seit 2004 eine – nein, mittlerweile zwei – wundervolle Buchhandlungen in Wien. Wie sie zur Inhaberin einer Buchhandlung wurde, ist wirklich eine tolle Geschichte, die sich nicht in fünf Sätzen zusammenfassen lässt. Am besten liest man ihr Buch „Meine wundervolle Buchhandlung“, das bei DuMont erschienen ist.

Petra Hartlieb

© Regina Huegli

Gebrauchsanweisung

Trotzdem möchte ich gerne eine Gebrauchsanweisung von ihr: Was braucht man dazu? „Eine Portion Naivität, Risikobereitschaft, keine Angst vor wahnsinnig viel Arbeit, ein gewisses Kommunikationstalent – und dann sollte man auch noch gerne lesen“, meint Petra Hartlieb. Nachdem wir uns in ihrer Buchhandlung getroffen haben, sitzen wir jetzt an einem Samstag im Spätsommer am Kutschkermarkt in Wien zum Mittagessen. Ihre in den letzten Jahren bei Diogenes erschienenen Krimis um die Wiener Chefinspektorin Anna Habel und den Berliner Kommissar Thomas Bernhardt, die sie zusammen mit Claus-Ulrich Bielefeld geschrieben hat, habe ich natürlich auch gelesen und mag diese Wien-Berlin-Geschichten und Stimmungen.

Die Idee zum Buch?

Jetzt möchte ich aber von ihr wissen, wie sie auf die Idee kam, die Geschichte ihrer Buchhandlung aufzuschreiben. Die stammte jedoch gar nicht von ihr selbst, sondern von dem ehemaligen DuMont- und jetzigen Hanser-Verleger und Autor Jo Lendle, mit dem sie befreundet ist. Dieser war oft zu Besuch und bekam nicht nur die Anfänge der Buchhandlung mit, sondern auch Momente, in denen das Wohnzimmer über der Buchhandlung mit Kisten vollgestellt war. Und er fragte sie eines Tages per E-Mail, ob sie nicht einmal ihr Leben in, über und mit ihrer kleinen Buchhandlung in ein Buch packen wolle. Petra Hartlieb hielt das zunächst für einen Witz. Als Lendle darauf bestand, dass er es ernst meinte, ließ sie sich die Idee durch den Kopf gehen und fand schließlich Gefallen daran, einmal etwas genauer über das, was sie machte und wie es dazu kam, zu schreiben. Was unser Glück ist, weil wir dadurch als LeserInnen daran teilhaben können.

Hartlieb_CoverWann und wie schreibt sie?

Jede Buchhändlerin und noch viel mehr jede Inhaberin einer Buchhandlung kann ja bestätigen, wie viel es da zu tun gibt. Ich frage mich vor allem, wann sie überhaupt zum Schreiben kommt. Zuerst schreibt sie nebenbei, nachts, im Urlaub oder auch, wenn sie unterwegs ist: im Zug, am Flughafen, immer ist das Notebook dabei. Inzwischen hat sie ein oder zwei freie Tage, Tage, in denen sie nicht im Dienstplan eingetragen ist. Ein Tag ist der Bürotag, an dem sie Anfragen beantwortet – und an dem sie schreibt. Sie braucht aber auch keinen großen Anlauf zum Schreiben, sondern nutzt auch die Minuten, wenn vielleicht gerade das Essen noch nicht fertig ist. Sie habe ihr neues Buch auch sehr lustbetont geschrieben, gerne mit dem Notebook und einem Glas Wein auf dem Sofa. Ihre eigene Geschichte aufzuschreiben bedeutete für sie auch, etwas für sich zu machen. Dabei war das Schwierigste, den richtigen Tonfall zu finden: Sollte es ein erzählerisches Sachbuch werden, ein Briefroman, in der 3. Person oder in der Ich-Perspektive verfasst? Ihr wurde bald klar, dass dieses Buch am besten im Präsens und in der 1. Person funktioniert. Und dass es ein Roman werden würde (natürlich durchaus mit autobiographischer Unterfütterung), der keinesfalls betulich werden durfte, sondern in schnellem, etwas rotzigem Stil. Den richtigen Tonfall hat sie gefunden, der ihre Liebeserklärung nicht nur an ihre Buchhandlung, sondern an die Welt der Bücher zu einem gelungenen Lesevergnügen macht.

Wie ist ihr Verhältnis zu den BücherFrauen?

In Wien hatte sie mit Ulla Schweighofer die österreichische Gruppe der BücherFrauen gegründet, als sie noch als Pressefrau in einem kleinen Verlag tätig war. Als sie von dort aus nach Hamburg kam, haben die BücherFrauen ihr das Leben gerettet, meint Petra Hartlieb. Nach zwei Monaten in Hamburg, wohin sie ihrem Mann Oliver mit ihrem kleinen Sohn folgte, ging sie zum ersten Mal zu einem Treffen der BücherFrauen ins Literaturhaus. Und kam nach Hause als Pressesprecherin der Hamburger Gruppe. Später wurde sie mit Kirsten Gleinig zusammen Regionalsprecherin in Hamburg und organisierte eine tolle Jahrestagung. Den BücherFrauen fühlt sie sich noch immer verbunden und hat noch viele Kontakte aus dem Netzwerk. Netzwerke sieht sie als total wichtig an für ihre Arbeit. Es sei auch ein Geheimnis ihres Erfolges, dass sie so viele Leute kenne. Natürlich weiß sie auch, wer von ihren KundInnen was macht und wofür sie sich interessieren. Medien rufen direkt bei ihr an und wollen ihre Meinung zu allen möglichen Themen wissen. Es reicht nicht mehr, einfach nur eine gute Buchhändlerin zu sein, meint Petra Hartlieb: „Inzwischen musst du das Klavier überall bespielen.“ Was sie auch gerne tut.

Was kommt als nächstes?

Der vierte Krimi erscheint im Januar, doch jetzt will sie nach fünf Jahren erst einmal eine Schreibpause einlegen. In diesem Sommer hatte sie seit fünf Jahren die erste Urlaubswoche in Osttirol, ohne zu arbeiten und hat das sehr genossen. Bei der großen Resonanz auf das Buch und all ihren sonstigen Terminen wird sie sich auch in Zukunft sicher nicht langweilen!

Veranstaltungstipp:

Am Sonntag, den 23. November, liest Petra Hartlieb im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen aus ihren Büchern und spricht mit Susanne Martin, Inhaberin der Schiller-Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen. Die Veranstaltung der BücherFrauen Stuttgart findet in Kooperation mit dem Börsenverein Baden-Württemberg und der Schiller-Buchhandlung statt.

Das Buch:

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung. DuMont, 208 S., 18,- Euro.

Die Buchhandlung:

www.hartliebs.at

Autor: Britta Jürgs

Britta Jürgs ist Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin und Verlegerin des 1997 von ihr gegründeten AvivA Verlags in Berlin mit dem Schwerpunkt auf Frauen in Kunst, Literatur und Geschichte. Seit März 2015 ist sie Vorsitzende der Kurt Wolff Stiftung zu Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene.

2 Kommentare

  1. Nina George

    Liebe Petra Hartlieb, ich freue mich sehr darauf, dass ich Ihr Buch demnächst signiert in den Händen halte – weil Bücher Kuppitsch auch bei der „Aktion Lieblingsbuch“ mitmacht: signierte Bücher im stationären Buchhandel, auf Wunsch überall verschickbar.
    Wunderbar! Werde morgen gleich bestellen, es ist ein großartiges Buch.
    Danke, Britta, für die Besprechung!

    http://www.kuppitsch.at/Lieblingsbuch

    http://www.aktion-lieblingsbuch.com

  2. Frauke Ehlers

    war auch eine wundervolle Veranstaltung von Schiller Buch und BücherFrauen Stuttgart und Börsenverein Baden Württemberg auf den Stuttgarter Buchwochen mit Petra Hartlieb und Susanne Martin http://schiller-buch.de/schoen-wars-meine-wundervolle-buchhandlung-buchvorstellung-und-gespraech-mit-der-wiener-buchhaendlerin-petra-hartlieb/

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.