„Frauen Stärke und Wissen vermitteln“ – ein Interview mit Coach Trudy Stange-Motzkau

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Trudy Stange-Motzkau hat eine lange Karriere als Führungskraft hinter sich – so war sie unter anderem bei Falken, bei White Star, bei Oetinger und Carlsen als Programm- und Verlagsleiterin tätig. Seit Mitte 2017 hat die Hamburger BücherFrau den Verlagen den Rücken gekehrt und coacht nun Frauen auf dem Weg zum Erfolg. Die Fragen stellte Julia Jochim. 

Nach langen Jahren als Führungsfrau in verschiedenen Verlagen hast du dich dieses Jahr entschlossen, aus deinem bisherigen Beruf auszusteigen und künftig als Coach tätig zu sein. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Nach so vielen Jahren im Berufsalltag hatte ich schon vor einigen Jahren das Gefühl, es müsse noch mal etwas Neues folgen. Etwas, das auf alldem aufbaut, was ich bisher gemacht und erfahren habe. Mein Ziel war es, aus der Gesamtheit meines Fachwissens und meiner Berufserfahrung eine weiterführende und sinnstiftende Aufgabe zu formulieren, die mich neu herausfordern und begeistern sollte. Das ist mir gelungen.

 

Welche Ausbildung hast du gemacht, um als Coach tätig zu sein, und wie verlief diese?

Ich habe eine Ausbildung zum Systemischen Coach und zum Konfliktmanager (DBVC-zertifiziert) absolviert. Die Ausbildung war modulweise aufgebaut mit thematischen Arbeitsgruppen und vielen praktischen Übungen und dauerte insgesamt circa anderthalb Jahre. Seit 2012 arbeite ich schon nebenberuflich als Coach.

 

Was macht aus deiner Sicht eine/n gute/n Coach aus?

Ich würde die Frage leicht verändert beantworten wollen: Ein/e nützliche/r Coach erkundet neugierig die Landkarten ihrer/seiner Coachees. Sie/er ist respektvoll und wertschätzend gegenüber Menschen. Ihre/seine Kunst ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Dabei fokussiert sie/er nicht auf die Defizite, sondern auf die Ressourcen ihrer/seiner Coachees.

Ein/e gute/r Coach macht sich schnell überflüssig 🙂

Wer sollte Coaching warum in Anspruch nehmen?

Coaching ist geeignet, Menschen in klar umrissenen Problemstellungen und Entscheidungsprozessen des Alltags oder des Berufslebens bei der Lösungsfindung zu unterstützen. Coaching ist keine Therapie!

 

Ganz besonders liegt dir nach eigener Aussage die Förderung junger Frauen am Herzen – was sind deine Beweggründe?

Im Arbeitsalltag habe ich immer wieder wahrgenommen, dass junge Frauen sich häufig schwertun, im ‚System der Arbeitswelt‘ eine Position zu finden, die sie wirklich zufrieden macht. Sie sind zwar in aller Regel sehr qualifiziert und fleißig, aber es fehlt ihnen häufig an Standing und am Mut, Chancen zu ergreifen und sich zu positionieren. Daher möchte ich sie stärken und sie ermutigen.

Was sind aus deiner Sicht die Gründe, warum Frauen sich auch im 21. Jahrhundert immer noch schwertun, in Führungsrollen aufzusteigen?

Viele Frauen haben noch immer das Problem, dass sie ihre eigene Leistung nicht wirklich bewerten können. Im Arbeitsalltag sind sie eher zurückhaltend, warten darauf, gesehen und gefragt zu werden, anstatt von selbst aktiv zu werden.

Viele Frauen haben einfach keine Lust auf das ‚Spiel‘, wie ich es gern nenne. Sie verstehen die Regeln der Arbeitswelt nicht ausreichend. Sie verstehen Gruppendynamiken nicht, verkennen häufig Machtspiele oder begegnen ihnen hilflos. Sie wollen ‚für sowas‘ ihre Energie ‚nicht vergeuden‘, wie ich oft höre. Hinzu kommt der Frust durch mangelnde Anerkennung und Wertschätzung.

Dabei darf man vor allem die häufige Doppelbelastung der Frauen durch Beruf und Familie nicht vergessen. So richtig viel hat sich da nicht zum Positiven verändert, auch wenn Väter jetzt öfter mal Elternzeit nehmen. Und die Teilzeit-Falle ist letztlich mehr Fluch als Segen.

Was können Frauen aus deiner Sicht anders machen, um gesehen, akzeptiert, gefördert zu werden?

Grundsätzlich glaube ich, dass Frauen heute fast alle Möglichkeiten haben. Sie müssen nur den Mut haben, ihre Möglichkeiten zu ergreifen. Und sie müssen Durchhaltevermögen zeigen, sich nicht beim ersten Rückschlag entmutigen lassen.

Sie sollten dabei nicht zu perfektionistisch sein wollen, sondern einfach machen. Entspannt bleiben und  ,ihren Ball im Spiel‘ halten. Spaß am ‚Mitspielen‘ haben. Je mehr Frauen mitspielen, desto größer ist die Chance, die eine oder andere ‚Rule of the Game‘ langfristig in ihrem Sinne zu verändern. Sich gut vernetzen und den Mut haben, sich bietende Chancen zu ergreifen. ‚Yes, you can!‘

Was glaubst du, jungen Frauen, die zu dir ins Coaching kommen, mitgeben zu können? Was zeichnet dich als Coach besonders aus?

Mich zeichnet m. E. vor allem meine Glaubwürdigkeit aus. Ich habe eine umfangreiche Karriere absolviert und kenne die Berufswelt mit ihren Unwägbarkeiten, Möglichkeiten und Fallstricken aus verschiedenen Perspektiven. Und ich habe so ziemlich jeden Fehler auch schon mal selbst gemacht oder erlebt. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Und ich weiß auch, dass man Dinge bewegen und verändern kann. Diese Stärke und dieses Wissen kann ich vermitteln.

www.trudystange.de

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Julia Jochim

Autorin: Julia Jochim

Julia Jochim ist Lektorin und arbeitet aktuell als Projektmanagerin beim Zeitverlag.

Ein Kommentar

  1. Susanne Grohs-v. Reichenbach

    Mir hat das Interview einen klaren Einblick in Trudy Stanges Kompetenz und Coachingveratändnis gegeben, sehr konkret und anschaulich. Danke!

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