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Books at Berlinale

Am Montag, 19. Februar 2018, fand die 13. Ausgabe von „Books at Berlinale“ statt. Zwölf vielversprechende internationale Stoffe wurden in diesem Jahr vorgestellt. Mit 150 Einreichungen aus 30 Ländern ist dieses Jahr ein neuer Rekord aufgestellt worden. Die zugesandte Auswahl kam von Verlagen und Agenturen aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Norwegen, Spanien und erstmalig aus Georgien.

Seit 2006 gibt es die „Books at Berlinale“, eine Plattform für Agenturen und Verlage, die ihre Stoffe auf diesem A-Festival für Filmproduktionen vorstellen. Im Martin-Gropius-Bau pulsiert das Rechtegeschäft der Filmbranche. Es wimmelt nur so vor Menschen, die sich über Filme unterhalten. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Berlinale Co-Production Market statt. Irgendwie erinnert es mich an eine Vertreterkonferenz im Verlag, jedoch viel unterhaltsamer. Spannend ist dabei der frühe Zeitpunkt, an dem Agenturen und Verlage den Filmproduktionen die Stoffe vorstellen. Nicht immer liegt das Buch gedruckt vor. Oft ist es noch ein Manuskript.

Do the rights thing in Berlin

12 Stoffe auf der „Books at Berlinale“

Der Pitch

Es ist ein bitterkalter, sonniger Montagnachmittag, als ich in das Abgeordnetenhaus von Berlin eile. Der große Festsaal im zweiten Stock ist bereits wieder sehr gut besucht.

Was ist ein Pitch? Es ist in diesem Fall die Vorstellung des Stoffes und seines Potenzials in kurzer Zeit. Ziel ist dabei, für den Stoff eine Filmproduktion, Investoren oder andere Stakeholder, die das Projekt weiterbringen können, zu gewinnen. Der unterhaltsame Pitch begann in diesem Jahr mit zwei großen Namen.

Laura Palomares eröffnet den Reigen. Sie arbeitet für die namhafte Literaturagentur Carmen Balcells aus Barcelona. Seit 60 Jahren besteht diese Agentur. Die verstorbene Agenturchefin Carmen Balcells war durch ihre Rolle als Vermittlerin am Boom der lateinamerikanischen Literatur in den 80er Jahren beteiligt. Die Agentur ist auch heute eine besonders gewichtige Adresse für zeitgenössische Literatur. Sie vertritt die Werke der namhaftesten Autor.innen in Lateinamerika und Spanien. Unter anderem werden Isabel Allende, Berta Marsé, Rosa Chacel, Carmen Laforet oder Carme Riera . Sechs spanische und lateinamerikanische Literatur-Nobelpreisträger werden von der Agentur vertreten. Die Agentur repräsentiert weltweit die Rechte ihrer Autor.innen in allen Formaten und Medien.

Laura Palomares, eine der Lizenzfrauen in der Agentur, stellt den neuen Roman von Isabel Allende „In the Midst of Winter“ vor. Der Roman, der bereits auf Spanisch und Englisch seit November 2017 vorliegt, erweckt viel Aufmerksamkeit. Seit ihrem Debütroman „Das Geisterhaus“ steht die Autorin für literarische und filmische Welterfolge. Der neue Roman bildet ein menschliches Tableau im heutigen Amerika ab und erzählt von der Kraft der unerwarteten Liebe. Die drei Hauptpersonen sind eine Chilenin, die an der Uni lehrt, Lucía Maraz (62), eine illegal eingewanderte Guatemaltekin Evelyn Ortega (23) und ein älterer verwitweter US-Menschenrechtswissenschaftler Richard Bowmaster (60). Sie befinden sich aus ganz unterschiedlichen Motiven im Winter ihres Lebens. Die drei erleben einen schrecklichen Schneesturm in New York und lernen, dass es jenseits des Schockzustandes der winterlichen Kälte einen Platz für die unerwartete Liebe gibt, die den Sommer des Lebens wieder aufblühen lässt. Bin gespannt, welche Filmproduktion am Ende den Zuschlag erhält.

Sehr überrascht war ich, wie weit bereits bei diesem Projekt die Besetzungsvorschläge aller wichtigen Rollen vorangebracht wurden. So ist für die Figur der chilenischen Universitätsprofessorin Lucía Maraz (62) Frances McDormand im Gespräch.

Weitere Stoffe

Temporeich folgten die weiteren Vorstellungen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die fesselnde Geschichte von Emmy Rowley „Where the Missing go“. Eine starke und empathische Hauptfigur Kate und ein unvorhergesehener Plot machen die Geschichte reif für eine gelungene Filmadaption. Rasant folgten nächste Vorstellungen wie die der gerade erschienenen Bücher der französischen Bestsellerautorinnen Véronique Olmi „Bakhita“ und Mazarine Pingeot „Magda“ sowie von drei deutschen Stoffen: von Sven Recker „Fake Metal Jacket“, von Michael Nast „#egoland“ und von Tom Saller „Wenn Martha tanzt“. Aus Italien wurde Rosella Postorino „Hitler’s Feast“ vorgestellt. Die Geschichte ist im 2. Weltkrieg im militärischen Lagezentrum des Führungsstabes der deutschen Wehrmacht in der Wolfsschanze angesiedelt. Es ist die dramatische Geschichte von zehn Frauen, die als Vorkosterinnen für Hitler täglich ihr Leben aufs Spiel setzen.

Ungewöhnliche Geschichten

Mich hat die Vorstellung von Hazal Baydur sehr berührt. Sie stellte die Autorin Şebnem İşigüzel mit „The Girl in the Tree“ vor. Die 17-jährige Protagonistin, die uns ihren Namen verschweigt, berichtet über die zentralen politischen Ereignisse in der heutigen Türkei, die Gezi-Park-Proteste in der Rückschau, den Abbau der politischen Rechte und Freiräume sowie über ihre Familie. Versteckt in der Baumkrone reflektiert sie die Situation. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte mit dem Pagen eines in der Nähe liegenden Hotels. Alleine fährt der Page mit seiner einfachen Fahrkarte zum Peace March nach Ankara, während sie ihrem Versteck im Baum treu bleibt.

Mit Aufmerksamkeit wurde auch der georgische Roman von Dato Turashvili „The Other Amsterdam“ aufgenommen. Sein Verleger Mikheil Tsikhelashvili stellte diesen vor.  Die Geschichte handelt vom Schicksal georgischer Emigranten in Amsterdam nach dem 2. Weltkrieg.

Anbei die komplette Aufstellung:

  • „In the Midst of Winter“ (Isabel Allende), Agencia Literaria Carmen Balcells, Spanien
  • „Fake Metal Jacket“ (Sven Recker), Agentur Kroll, Deutschland
  • „The Other Amsterdam“ (Dato Turashvili), Bakur Sulakauri Publishing, Georgien
  • „The Million Kroner Kindness Competition“ (Arnfinn Kolerud), Cappelen Damm Agency, Norwegen
  • „#egoland“ (Michael Nast), Edel Books, Deutschland
  • „Bakhita“ (Véronique Olmi), Editions Albin Michel, Frankreich
  • „Magda“ (Mazarine Pingeot), Editions Julliard, Frankreich
  • „The Girl in the Tree“ (Şebnem İşigüzel), Kalem Agency, Türkei
  • „Where the Missing Go“ (Emma Rowley), Orion Publishing Group, Großbritannien
  • „Wenn Martha tanzt“ / „Martha’s Dance“ (Tom Saller), Ullstein Buchverlage, Deutschland
  • „Hitler’s Feast“ (Rosella Postorino), Vicki Satlow Literary Agency, Italien
  • „Captain Horror’s Island“ (Rodoula Pappa), Volatilium, Griechenland
Filmplakat "The Bookstore"

Filmplakat „The Bookshop“. Ein Film von Isabel Coixet, mit Emily Mortimer in der Hauptrolle nach dem Buch von Penelope Fitzgerald

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Die Literaturadaptionen sind ein wichtiger Teil für Filmproduktionen. Der Roman von Penelope Fitzgerald „The Bookshop“ wurde auf der Frankfurter Buchmesse 2017 mit dem Preis für die beste internationale Literaturadaption ausgezeichnet. Das gute Zusammenspiel von Frankfurter Buchmesse  und Berlinale hat ermöglicht, dass im Rahmen des Berlinale Specials der Film von Isabel Coixet „The Bookshop“ gezeigt wurde.

Yvonne de Andrés

Autorin: Yvonne de Andrés

Yvonne de Andrés ist freiberufliche Senior Consultant in einer Unternehmensberatung. Sie ist eine der zwei Pressefrauen der Berliner BücherFrauen.

2 Kommentare

  1. Liebe Yvonne,
    vielen dank für den tollen Artikel, den ich natürlich sofort lesen musste. Gerne wäre ich dabei gewesen 🙂
    und bin nun gespannt, welches Buch auf die Leinwand kommen wird. Hoffentlich „The girl in the tree“! Liebe Grüße, machs gut
    Kerstin

    • Yvonne de Andrés

      Liebe Kerstin,

      herzlichen Dank. Es freut mich, wenn der Beitrag interessant war.

      Welches Buch es zu einer filmischen Umsetzung schafft werde ich weiter aufmerksam beobachten und auch gerne mitteilen. Meiner Einschätzung nach, werden wahrscheinlich eine Reihe an vorgestellten Projekten realisiert.

      Beste Grüße, Yvonne

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