#lesbar im August – Von Lyrik bis Literaturvermittlung

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Bevor sich im Herbst wieder alles um die Frankfurter Buchmesse (und die BücherFrauen-Jahrestagung in Hamburg!) dreht, genießen wir den letzten Sommermonat. Wer noch etwas anderes als Urlaubsmeldungen lesen möchte, kann gern in unsere Auswahl reinschauen: Von der Diskussion um den Deutschen Buchhandlungspreis über das Nachwuchsproblem in der Branche bis hin zur Wertschätzung von kreativer Arbeit haben wir alles dabei. Spannend und anregend ist auch der Einblick in den Alltag einer Lyriklektorin – da möchte man gleich zum nächsten Gedichtband greifen. Viel Spaß beim Lesen!

Am 2. August wurden die diesjährigen Nominierten für den Deutschen Buchhandlungspreis bekannt gegeben. 117 unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen aus ganz Deutschland sind dabei, heute – am 31. August – wird der Preis in Hannover verliehen. Im dritten Jahr der Ausschreibung äußern die Mülheimer Buchhändlerinnen Brigitta Lange und Ursula Hilberath in einem offenen Brief Kritik an den Vergabekriterien des Preises, der ihrer Meinung nach auffallend häufig an Buchläden in Großstädten verliehen wird. Lesenswert ist nicht nur der Brief selbst, sondern auch die vielen Kommentare unter dem Artikel, in denen andere Buchhändlerinnen und Buchhändler die Diskussion weiterführen. Martina Bergmann veröffentlichte eine Replik auf ihrem eigenen Blog.

Lyrik lektorieren – wie läuft das eigentlich ab? In diesem Interview im Deutschlandfunk Kultur erzählt die Cheflektorin des Schöffling-Verlags Sabine Baumann aus ihrem Alltag und schildert anschaulich die Arbeit an einem lyrischen Text: „Zuerst mal kommt nicht der Stift, sondern das Ohr zum Einsatz. Ich versuche, mir manchmal Gedichte sogar laut vorzulesen. Ich höre sie auf jeden Fall ganz stark im Innern, denn Gedichte sind ja einerseits Textkunstwerke, Sprachkunstwerke wie Prosatexte auch, aber sie kommen vom Lied her, sie sind in einer ganz anderen Tradition verwurzelt. Sie verdichten, sie klingen und bringen auch etwas im Leser zum Klingen, und das muss ich erst mal auf mich wirken lassen.“

Im April dieses Jahres präsentierten die Jungen Verlagsmenschen die Auswertung ihrer Befragung zur Arbeitssituation des Branchennachwuchses. Die Ergebnisse waren ernüchternd, aber leider wenig überraschend. In der Leipziger Lerche, der Studentenzeitschrift des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, schildert Niklas Gaube das Nachwuchsproblem der Branche: hohe Anforderungen, schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen, unsichere Zukunft. Wer will – oder kann – da noch langfristig im Verlag oder im Buchhandel bleiben? „Wer nach über einem halben Jahrzehnt Ausbildung nur hinhaltende Versprechen auf die nächste befristete Anstellung hört, sucht woanders sein Glück. Mäßige Bezahlung kaum über Mindestlohnniveau, um das teure Leben in Berlin, Frankfurt oder Hamburg zu finanzieren; selbstverständliche Überstunden und Chefs, deren Dienstjahre sie in ihren Augen vor jeglicher Meinungsänderung schützen: Warum sollte ein ambitionierter Medienprofi voller Ideen bei einem Verlag arbeiten?“

Viele Freiberuflerinnen und Freiberufler im kreativen Bereich kennen das: Anfragen von Menschen, die statt einer angemessenen Vergütung der jeweiligen Leistung eine Umsatzbeteiligung oder „kostenlose Werbung“ anbieten. Der Wert der Arbeit, die LektorInnen, TexterInnen, LayouterInnen etc. leisten, kann gar nicht oft genug hervorgehoben werden. Maria Al-Mana, Texthandwerkerin und Verlegerin, bezieht dazu Stellung: „Am schlimmsten aber ist die Ignoranz gegenüber den Fähigkeiten von professionellen Lektorinnen, PR-Dienstleistern, Grafikern und Co.: Wir wissen, was wir tun. Wir sind ausgebildet in dem, was wir machen, bieten also professionelle Arbeit, bilden uns ständig weiter, sind gut vernetzt, haben den Markt im Blick, stellen uns auf jeden Kunden neu ein, kurz: Wir sind unser Geld wert!“

Am 24. September findet die Bundestagswahl statt. Für diejenigen Wählerinnen und Wähler, denen Frauenpolitik wichtig ist, hat der Deutsche Frauenrat zusammengestellt, welche Parteien in ihren Wahlprogrammen Stellung zu frauenpolitischen Themen beziehen und welche Meinungen sie vertreten. Die Ergebnisse sind übersichtlich in Infografiken dargestellt.


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

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