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Podcast: Empowerment durch Publizieren. Ein Gespräch über Literatur, Teilhabe und Mut mit der Referentin des Thüringer Flüchtlingsrats Nour Al Zoubi

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In dieser Podcastfolge sprechen Henriette Dyckerhoff und Nour Al Zoubi über Literatur als Brücke zwischen Lebenswelten, über Sichtbarkeit und Selbstermächtigung – und darüber, wie wichtig Netzwerke wie die BücherFrauen für solidarische Unterstützung und neue Impulse sind. Nour Al Zoubi ist 2015 aus Syrien geflüchtet und lebt in Gera. 2018 gründete sie die Zeitung NiG Neu in Gera. Die Zeitung wird von Menschen gestaltet, die Flucht- oder Migrationserfahrungen haben und sich in einer neuen Umgebung und einer neuen Sprache zurechtfinden müssen. Sie schreiben über ihr Leben, ihre Sorgen und Hoffnungen – und machen ihre Perspektiven sichtbar.

© Foto: Simone Ahlers

Über Henriette Dyckerhoff 

Henriette Dyckerhoff ist freie Kulturschaffende im Bereich Literatur. Sie schreibt, lektoriert, unterrichtet und organisiert Lesungen. Seit fast 20 Jahren ist sie Mitglied bei den BücherFrauen – zunächst in der Regionalgruppe Hamburg, inzwischen in Bremen/Oldenburg.

Sie war Teil des Organisationsteams der Jahrestagung 2025 in Erfurt. Im Rahmen dieser Tagung lud sie Nour Al Zoubi als Teilnehmerin der Podiumsdiskussion ein. Nours Engagement und ihre Redebeiträge beeindruckten und inspirierten sie nachhaltig – und gaben den Impuls für dieses Podcastgespräch

 

© Foto: privat

Über Nour Al Zoubi

Nour Al Zoubi ist Sozialarbeiterin und Referentin im Projekt SENSA – Sensibilisierung für besonders schutzbedürftige Menschen. Sie studierte Soziale Arbeit (B.A.) an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach und ist derzeit beim Flüchtlingsrat Thüringen e. V. tätig.

Ihr besonderes Anliegen ist es, geflüchtete Menschen zu unterstützen und sie über ihre Rechte aufzuklären. Sie selbst ist 2015 nach Deutschland geflüchtet und bringt ihre persönlichen Erfahrungen aktiv in ihre berufliche Arbeit ein. Diese Verbindung aus eigener Geschichte und professioneller Expertise prägt ihr Engagement bis heute.

Instagram (privater Account):
https://www.instagram.com/al_zoubi_nour

 

 

Warum eine solche Zeitung wichtig ist

Nour beobachtet in Gera – wie in vielen Städten – dass verschiedene gesellschaftliche Gruppen oft unter sich bleiben:

  • Deutsche ohne Flucht- oder Migrationserfahrung
  • sogenannte Gastarbeiter*innen, die schon lange in Deutschland leben
  • neu angekommene Geflüchtete

Ihr Wunsch ist mehr Offenheit, mehr Austausch und mehr gegenseitiges Verständnis.

Gleichzeitig stellte sie fest: In Deutschland wird viel gelesen. Literatur kann Brücken bauen. Sprache schafft Zugang.

In Bochum lernte sie die Zeitung „NIG – Neu in Deutschland“ kennen und verfasste dort seit 2017 eigene Texte. Schnell entstand die Idee, ein ähnliches Projekt in Gera ins Leben zu rufen. Mitstreiter*innen waren bald gefunden: Enrico Vogel und die Redakteurin Elke Lier unterstützten die Gründung.

Eine Pause – und neue Kraft

Ende 2023 erschien vorerst die letzte Ausgabe von „NIG – neu in Gera“.

Nour bekam ein Baby und schloss gleichzeitig ihr Studium ab – für ehrenamtliches Engagement blieb zunächst keine Zeit.

Doch die Anfrage der BücherFrauen zur Jahrestagung und der wertschätzende, kollegiale Austausch im Netzwerk gaben ihr neue Kraft. Die Begegnungen wirkten empowernd – und stärkten den Wunsch, das Projekt wieder aufzunehmen. 2026 soll eine neue Ausgabe erscheinen.

Literaturtipps von Nour Al Zoubi

Zum Abschluss des Podcasts teilt Nour drei persönliche Empfehlungen:

  • Ayşe İrem – deutsche Poetry-Slammerin und Gewinnerin der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaft 2025.
  • Sprache und Sein von Kübra Gümüşay (Hanser 2020)
    Eine eindrückliche Auseinandersetzung mit Diskriminierung gegenüber Frauen und Musliminnen, Rassismus, Identität, Sprache und Machtverhältnissen. Das Buch zeigt, wie stark Sprache unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere gesellschaftliche Teilhabe prägt.
  • Das Integrationsparadox von Aladin El-Mafaalani (Kiepenheuer & Witsch 2018)
    Eine kluge Analyse gesellschaftlicher Integrationsprozesse und ihrer Spannungsfelder.

 

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Musik im BücherFrauen Podcast: Swoop von den Mini Vandals (No Copyright Music).

Autor: Yvonne de Andrés

Kulturmanagerin, BücherFrau des Jahres 2024 und Vorstand.

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