Das Bild zeigt Birgit Dankert (links) und Jana Stahl (rechts) im Gespräch.

„Des Lebens ganze Fülle“: Prof. Birgit Dankert über 50 Jahre 68er

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Es ist des Lebens ganze Fülle, die Birgit Dankert als 24-jährige Studentin 1968 in Tübingen erlebt. Sie steht kurz vor dem Abschluss ihres Studiums, wird Teil der Studentenbewegung, diskutiert mit und bringt sich ein. Auch weil der Vater, einst überzeugter Nazi und desillusioniert aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt, ihr das Lebensmotto „Du bist mitverantwortlich“ auf den Lebensweg mitgibt. So wundert es nicht, dass sich Birgit Dankert schon früh engagiert, im Konfirmandenkreis, als Klassen- und Schulsprecherin. Aber das ist erst der Anfang.

In einem ausführlichen Video-Interview berichtet die heute 74-Jährige über das Jahr 1968, aber auch über die Zeit davor und danach. Was bleibt von 1968? Diese und andere Fragen stellte Jana Stahl, die Aufnahmeleitung hatte Rabea Güttler. Die HAW Hamburg, Fakultät Design, Medien, Informationen ermöglichte die Aufzeichnung des Gesprächs auf dem Campus Finkenau.

Das Video-Interview ist in sechs Teile gegliedert, die hier chronologisch bzw. thematisch zusammengestellt folgen.

Von 1944 bis 1968

Die Auseinandersetzung in den Familien mit der NS-Zeit hatte oft eine Bedeutung für die Bewegung von 1968. Birgit Dankert schildert in diesem ersten Teil des Interviews, wie sie die Zeit in ihrem persönlichen Umfeld erlebt hat, ebenso wie die Wirtschaftswunderzeit, die Jugend in der westfälischen Provinz und die ersten sozialen Engagements, die sie übernahm. An welche politischen Ereignisse kann sie sich erinnern? Lag eine Revolution schon in der Luft?

Konkrete Erinnerung an 1968/1969

Birgit Dankerts konkrete Erinnerungen an das Jahr 1968 sind studentisch geprägt. Der Magisterabschluss stand kurz bevor. Gleichzeitig überschlugen sich die politischen Ereignisse. Tübingen, wo Birgit Dankert studierte, verbindet man in diesen Jahren vor allem auch mit den Kreisen um Ernst Bloch und Walter Jens, zu denen unter anderem auch die spätere RAF-Mitgründerin Gudrun Ensslin gehörte.

Aktive Frauen in der 68er-Bewegung

Warum können wir uns an so wenige Namen von Frauen erinnern, die 1968 aktiv waren? Vielleicht weil die Frauen damals erst allmählich zu dem Bewusstsein kamen, auch von ihren SDS-Kollegen eine Gleichbehandlung zu fordern, Helke Sander 1968 in ihrer Rede als Vertreterin des Aktionsrates zur Befreiung der Frau auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS in Frankfurt am 13. September 1968. Dann flogen auch Tomaten. Birgit Dankert räumt ein, dass ihr damals noch die feministische Weitsicht fehlte.

Hochschulpolitik in Hamburg

Von 1969 bis 1971 studierte Birgit Dankert an der Fachhochschule Hamburg Bibliothekswissenschaften und engagierte sich als Studentenvertreterin in verschiedenen Gremien. Anschließend arbeitete sie zehn Jahre lang als Lektorin und Projektleiterin im Zentrallektorat Schleswig-Holstein, in der Büchereizentrale Flensburg. Dabei lernte sie viele Bibliotheken im ländlichen Raum kennen, und auch deren Einstellung zur progressiven Kinder- und Jugendliteratur. Als Professorin kam sie danach zurück nach Hamburg, um hier nun „die Suppe auszulöffeln, die sie sich Jahre zuvor eingebrockt“ hatte.

Von der Hoffahrt des Weltverbesserers

Die Begeisterung für die Kinder- und Jugendliteratur und damit auch die Möglichkeit, Ideen der 68er mithilfe von Bildung zu verbreiten, begleiten Birgit Dankert bis heute. Die Anfänge der Begeisterung sind bis zum Studium in Tübingen zurückzuverfolgen.

„Wie haben die 68er Ihren Lebensweg geprägt?“

Zum Abschluss unseres Gesprächs blickt Prof. Birgit Dankert zurück, wie die 68er ihren Lebensweg geprägt haben. Was ist uns bis heute von 1968 geblieben oder anders: Worauf hätten wir womöglich verzichten müssen? Mit der Distanz des Alters ist es aber auch möglich, Bilanz zu ziehen, welche Fehler damals gemacht worden sind.

Generationen im Austausch

Viel zu selten nehmen wir uns die Zeit, auch in der eigenen Familie nach historischen Erlebnissen zu fragen: „Wie hast Du etwas erlebt?“ Bis zum Ende des Jahres bieten wir Euch in einer Blog-Kooperation mit Sippenkitt an, Euch beim Nachfragen zu unterstützen, wenn wir Euch dabei begleiten dürfen. Gerne moderieren wir auch ein Gespräch mit Fragen in der Familie nach der Vergangenheit – am liebsten würden wir darüber bloggen, pod- oder vlogcasten. Schreibt uns an blog@buecherfrauen.de oder hinterlasst einen Kommentar.

Autorin: Jana Stahl

Jana Stahl ist freie Lektorin und Journalistin in Heidelberg. Parallel zur Textarbeit koordinierte sie von 2012 bis 2015 die Webaktivitäten der BücherFrauen, unter anderem auch in diesem Blog. Seit 2015 ist sie im Vorstand der BücherFrauen und seitdem inzwischen auch als #1teBFonTour unterwegs. Im Internet außerdem auch zu finden als Die Wortratgeberin.de. (Google+: Jana Stahl)

Ein Kommentar

  1. Schönes Interview!

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