#lesbar im April – Diversität, Sprache und Umgang mit der Krise

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Am 23. April feierten wir den Welttag des Buches (und tun es auf dem Blog immer noch) – wir hoffen, auch Ihr hattet damit viel Vergnügen! Für alle, die mal sehen wollen, wie viele Menschen mit anpacken, bis so ein Buch gemütlich auf dem Balkon gelesen werden kann, empfehlen wir das Buchorchester: eine wunderbare BücherFrauen-Aktion, die in Porträts all die Buchmacherinnen sichtbar macht, deren Namen nicht auf dem Umschlag auftauchen. Darüber hinaus haben wir wie immer interessante Lesetipps aus dem Netz für Euch, so unter anderem einen Diskussionsüberblick vom diesjährigen Treffen des Phantastik-Autoren-Netzwerks zum Thema Diversität in der Literatur. Viel Spaß beim Lesen!

Vom 19. bis zum 21. April fand in Köln das 3. Branchentreffen des PAN (Phantastik-Autoren-Netzwerk e. V.) statt, auf dem über Gesellschaft und Politik in der Fantastik diskutiert wurde. Dieser lesenswerte Impulsvortrag des Literatur- und Medienwissenschaftlers Lars Schmeink beschäftigt sich mit dem Thema Diversität in der (fantastischen) Literatur und stieß zusammen mit der anschließenden Paneldiskussion auf dem PAN-Treffen eine hitzige Diskussion an, vor allem zur Frage der Repräsentation von Frauen. Mehr dazu gibt es von Lars Schmeink auf Tor Online, von der Autorin und PAN-Vorsitzenden Lena Falkenhagen und von der Autorin Guddy Hoffmann-Schoenborn spezifisch zum Thema Rassismus in der Buchbranche.

Im Nachklang der Diskussion um geschlechtergerechte Sprache im März empfehlen wir auch in diesem Monat einen Artikel zum Thema: diesmal von der Philosophin Cornelia Klinger, die Revue passieren lässt, wie unsere Sprache und der Ausdruck von Geschlechterdifferenz sich mit der Zeit entwickelt haben: „Sprache ist ein Spiegel, in dem sich der – jeweilige – Zustand der Kultur abbildet. Lange ist unsere Gesellschaft durch Herrschaftsverhältnisse und Machtasymmetrien geprägt gewesen. Wenn sich das, wie wir alle wünschen, ändert, zeigt auch die Sprache ein anderes Gesicht.“

Frauenfeindlichkeit im Literaturbetrieb – gibt es das überhaupt? Schriftstellerin Katja Bohnet bejaht diese Frage laut und deutlich und zeigt die vielen Seiten des Systems auf, das Frauen nach wie vor kleinhält. Davon hat sie endgültig genug: „Ich will Veränderung. Ich will sie jetzt. Ich will Quoten, die einzigen Zahlen, die noch Gutes verheißen. Ich will, dass mehr Schriftstellerinnen ihre Rechte einfordern. Ich will, dass Literatur von Frauen begeistert vorgestellt wird. Ohne Wenn und Aber. Nicht wie etwas Kleines, Graues, das kaum alleine atmen kann. Ich will, dass mehr Männer die Sache der Frauen zur Chefsache machen. Weil sie es gut und gerecht finden, nicht, weil jemand (womöglich eine Redakteurin) sie dazu gezwungen hat. Weil es unser gemeinsames Schicksal betrifft. Ich will, dass Frauen mehr Raum einnehmen. Weil meine Mutter schon darauf warten musste und ich nicht mehr darauf warten mag.“

In diesem Monat gibt es auch was zum Hören: Franziska Wilhelm und Claudius Niessen vom Literaturpodcast „Seite 37“ gehen in diesem Beitrag der Frage nach, wie sich die oft zitierte Krise des Buchmarkts tatsächlich bemerkbar macht. Dazu gibt es Interviews mit verschiedenen BranchenteilnehmerInnen – ein interessanter und vielseitiger Überblick über Meinungen und Strategien zum Umgang mit der Krise.

Zum Thema Krise des Buchmarkts empfehlen wir in diesem Monat einen weiteren sehr interessanten und kontrovers diskutierten Beitrag: Die im Selfpublishing sehr erfolgreiche Autorin Marah Woolf nimmt auf ihrem Blog Stellung zum Vorwurf, durch ihre Zusammenarbeit mit Amazon dem stationären Buchhandel zu schaden. Sie weigert sich, als Autorin die Verantwortung für die Lösung der Branchenkrise zu tragen, und stellt gute Fragen zu den Hintergründen des LeserInnenschwunds: „Fakt ist, Schema F hat jahrzehntelang funktioniert und damit ist jetzt Schluss und der Aufschrei ist groß. Nun die Autoren dafür in die Verantwortung zu nehmen, ist genauso peinlich wie unverschämt, da die Autoren sowieso seit jeher am Ende der Nahrungskette eines Buches stehen, was vielen Lesern nicht bewusst ist […].“ Auch sehr #lesbar ist die hitzige Diskussion in den Kommentaren zu diesem Beitrag und Marah Woolfs ergänzender Artikel im Börsenblatt.


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

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