#lesbar im Juli – Sexismus an Literaturinstituten, Gender-Kritik und unsichtbare Frauen

| 1 Kommentar

Wer den Juli an einem traumhaften Strand fernab des Internets verbracht hat, dem sind einige spannende Diskussionen im Netz und außerhalb entgangen. So hat eine Studie über die Darstellungen von Männern und Frauen im deutschen Film und Fernsehen eindrücklich gezeigt, dass Frauen mit zunehmendem Alter sukzessive von unseren Bildschirmen verschwinden. Außerdem löste ein anonymer Brief am Literaturinstitut Hildesheim eine Debatte über Sexismus aus, in deren Rahmen Studierende mit sehr persönlichen Berichten über ihre Erfahrungen an die Öffentlichkeit traten. Dazu und zu weiteren interessanten Themen haben wir wie jeden Monat Lesematerial gesammelt – viel Spaß!

Am 12. Juli wurden in Berlin die Ergebnisse einer Studie zu Geschlechterdarstellungen im deutschen Film und Fernsehen präsentiert. Die Studie belegte, dass Frauen deutlich unterrepräsentiert waren – vor allem ältere Frauen (ab Mitte 30) verschwinden in Deutschland sukzessive vom Bildschirm. Die Schriftstellerin Zoë Beck nimmt diese – leider nicht überraschenden – Ergebnisse zum Anlass, sich mit der Frage zu beschäftigen, was Schriftstellerinnen tun können, um diesem Befund entgegenzuwirken: „Die Welt abzubilden, wie sie ist – das ist ein Thema für uns alle. Ebenso wie: Die Welt abzubilden, wie sie sein könnte, im Guten wie im Schlechten. Oder: Die Welt völlig auf den Kopf zu stellen und neu zu erfinden. Wir entwerfen in unseren Geschichten ständig Welten. Wir kommentieren sie, wir politisieren sie, schon vom ersten Moment an, wenn wir ganz automatisch – mein Lieblingsbeispiel – von der Krankenschwester und dem Stationsarzt ausgehen, statt diesen Rollen in unseren Geschichten das jeweils andere Geschlecht zuzuweisen. (Schließlich gibt es sehr viele männliche Pflegekräfte und sehr viele Ärztinnen an den Krankenhäusern – warum aber haben wir es so anders verinnerlicht?)“

Im Juli entbrannte im Netz und außerhalb eine Diskussion über Sexismus an Literaturinstituten. Anlass war die Veröffentlichung eines anonymen Briefs in der Studierendenzeitung in Hildesheim. Die Zeitschrift Merkur publiziert auf ihrem Blog Stellungnahmen von Studierenden zu dieser Debatte – angefangen mit Hildesheim bis zu Leipzig, Biel, Berlin uvm., von Frauen und Männern. Die Texte sind sehr unterschiedlich, aber immer einen Blick – und eine Diskussion – wert.

Seit dem VG-Wort-Urteil im April 2016, nach dem die Verwertungsgesellschaft nicht berechtigt ist, einen pauschalen Betrag ihrer Einnahmen an Verlage auszuschütten, steigt der Druck besonders auf unabhängige Kleinverlage. Im letzten Monat wurde bekannt, dass der A1 Verlag in München aufgelöst wird. Die drei VerlegerInnen begründeten diesen Schritt unter anderem mit den fälligen Rückzahlungen an die VG Wort. Jonas Engelmann vom Ventil Verlag spricht in diesem Interview mit Kaput-Autor Florian Kölsch über die Auswirkungen des Urteils auf die Branche und die Kleinverlage und berichtet von dem Plan, die finanzielle Belastung über Crowdfunding zu stemmen.

Je lauter und sichtbarer man feministische Positionen in der Öffentlichkeit (oder auch nur im Freundeskreis) vertritt, desto öfter bekommt man es mit gegenteiligen Ansichten und Argumenten zu tun, die bis zur Hetze reichen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Heinrich-Böll-Stiftung haben nun eine Broschüre herausgegeben, die im Falle von zwölf gängigen antifeministischen Vorurteilen Richtigstellungen und Informationen bietet, auf die jede und jeder zurückgreifen kann – sei es in Diskussionen über Gleichstellung, Gender-Mainstreaming oder rassistische Stereotype.


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für die tolle Auswahl – nicht nur in dieser Ausgabe, aber hier im Besonderen. Herzlichen Dank, dass Du die #lesbar Reihe immer so wunderbar zusammenstellst – ich finde sie ganz großartig!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.