#lesbar im Oktober – Buchmesse, BücherFrau des Jahres und das Bestseller-Rezept

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Im Oktober gibt es in der Buchbranche jedes Jahr vor allem ein Thema: die Frankfurter Buchmesse. Für uns BücherFrauen bedeutet die Messe immer auch einen extra Anlass zum Feiern, denn wir ehren dort die BücherFrau des Jahres. Dieses Mal haben wir die Bestsellerautorin und Beirätin des deutschen PEN Nina George dazu gewählt – auch an dieser Stelle herzliche Glückwünsche zur verdienten Auszeichnung! Nina Georges Texte landen häufig in der #lesbar-Auswahl – so auch ihre Dankesrede zur Ehrung. Weniger schön waren die rechten Übergriffe in Frankfurt, die wieder die Diskussion neu entfacht haben, ob die Messe Stände rechter Verlage erlauben soll. In diesem Zusammenhang brach auch in der Buchblogszene eine Diskussion über den richtigen Umgang mit solchen Vorfällen und die Positionierung dazu aus – einen interessanten Beitrag dazu empfehlen wir gern in unserer Auswahl. Weitere Themen sind die Strukturen hinter der mangelnden Repräsentation von Autorinnen im Literaturkanon und das Geheimnis hinter dem Bestseller-Roman. Viel Spaß beim Lesen!

Am 12. Oktober wurde Nina George auf der Frankfurter Buchmesse als BücherFrau des Jahres 2017 geehrt. In ihrer Rede plädiert sie dafür, Diversität auf allen Ebenen der Buchbranche zu fördern, denn nur so ließen sich die festgefahrenen Strukturen in unserer Gesellschaft ändern: „Bücher sind Grundnahrungsmittel einer selbstdenkenden Gesellschaft. Bücher sind emotionale, moralische und kulturelle Erzieher. Mit meinem Dank an die BücherFrauen – das schlüssigste Branchennetzwerk dieser Zeit –, zur Ehrung als BücherFrau des Jahres 2017, appelliere ich gleichsam an Sie, die Verleger und Verlegerinnen, an die Jurys, an Redaktionen, an die Kanonisten der Lehrinhalte, und an Autoren und Autorinnen, sich das Credo der Diversität auf Ihr gesamtes Schaffen zu legen.“ Zu hören gibt es Nina George im Gespräch mit detektor.fm auf der Buchmesse.

Nach den rechten Übergriffen auf der Frankfurter Buchmesse standen die MesseorganisatorInnen in der Kritik – aber nicht nur sie. Buchbloggerinnen und -blogger auf der Messe mussten sich in den Sozialen Medien dafür verantworten, wenn sie keine Stellungnahmen zu den Angriffen schrieben. Wie politisch soll, muss die Bloggerszene sein? Viele Bloggerinnen und Blogger beteiligten sich im Oktober an der Diskussion zu dieser Frage. Sehr lesenswert ist dieser Beitrag von Mareike Hansen, die über ihre persönlichen Erfahrungen und über die Konsequenzen für die Bloggerszene schreibt:  „Die Ereignisse der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt zeigen, dass die Literaturszene nicht unpolitisch ist (und übrigens niemals war), und dass auch wir als Buch- und Literaturblogger uns positionieren müssen. Auch diejenigen, die lieber nichts politisches schreiben und ihre rosarote Zuckerwattewolke von Bloggerszene behalten wollen, denn diese Zuckerwattewolke wird schnell verschwinden wenn Nazis mehr und mehr Raum bekommen. Denn Nazis sind vieles, aber bestimmt nicht zuckerwatteflauschig. Es hilft aber auch nicht, wenn wir uns gegenseitig zerfleischen.“

Große Literatur wird von Männern geschrieben – das lernt man zumindest in der Schule und im Studium. Autorinnen sind im Literaturkanon rar gesät, erst recht, wenn sie keine deutschen Namen haben. In diesem umfangreichen Beitrag geht Katharina Herrmann den Strukturen auf den Grund, die diesem Kanon, aber auch der weiterhin schlechten Repräsentation von Autorinnen in den Gegenwartsmedien zugrunde liegen. Ein interessanter Rückblick, für den man etwas Zeit mitbringen sollte (auch als PDF verfügbar): „Kanonisierung und Literaturgeschichtsschreibung, gerade für Schule und Studium, muss neu diskutiert werden – und sei es nur, um jungen Leuten nicht das falsche Bild, dass Frauen eben schon immer nur zweitklassig geschrieben haben, in den Kopf zu setzen. Und sei es nur, um jungen Frauen zu zeigen, dass es immer schon Frauen gab, die vom gesellschaftskonformen Frauenbild abgewichen sind – und dass sie eine eigene Stimme und einen eigenen Namen hatten und haben, um davon selbst zu erzählen.“

Was ist das Geheimrezept eines Bestsellers? Eine Frage, auf die viele Verlage und AutorInnen gern eine Antwort hätten und mit der sich die Bestseller-Forschung beschäftigt. Wie das funktioniert und was das für die Branche bedeuten könnte, gibt es hier nachzulesen.


Jeden Monat erscheinen im Netz so viele anregende und aufregende Texte, dass wir mit dem Lesen oft gar nicht mehr hinterherkommen. #lesbar sammelt diese Perlen und präsentiert sie jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem BücherFrauen-Blog – handverlesene Lese- und Teilempfehlungen zu Themen, die BücherFrauen und andere buchbewegte Menschen interessieren.

Was findet Ihr #lesbar? Schickt uns Eure Artikelempfehlungen für den nächsten Monat!

Autorin: Martha Wilhelm

Martha Wilhelm studierte Germanistik und Slavistik in Hamburg, absolvierte ein Verlagsvolontariat in Berlin und kehrte danach wieder an die Alster zurück. Hier machte sie sich selbstständig und arbeitet nun als Lektorin, Korrektorin und Autorin in den Bereichen illustriertes Sachbuch und Jugendbuch. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Website (www.textwinkel.de). Sie freut sich über Austausch auf Facebook und Twitter.

Ein Kommentar

  1. Gabriele Kalmbach

    Liebe Martha, ganz herzlichen Dank an Dich für diese monatlichen Lesetipps! Gabriele

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