WIE WERDE ICH …

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… Mitinhaberin einer Literaturagentur?

Wie kamen Führungsfrauen und selbstständige Firmenlenkerinnen
da hin, wo sie heute sind?
BücherFrauen verraten uns ihre Schritte zum Ziel.
Diesmal: Pia Christ, Mitinhaberin der Literaturagentur wortvollendet
in Potsdam

Pia Christ, Mitinhaberin der Literaturagentur wortvollendet

Pia Christ, Mitinhaberin der Literaturagentur wortvollendet (Foto: privat)

1. SCHRITT: Dich für den langen Atem wappnen

„Als Marion Appelt und ich 2007 unsere Literaturagentur wortvollendet gründeten, hatten wir zwar bereits ein gutes Netzwerk bzw. Kontakte in die Lektorate relevanter Verlagshäuser aus unserer gemeinsamen Arbeit als Lektorinnen des mvg Verlags. Doch da war noch Luft nach oben. Auch einen festen Autorenstamm mussten wir über die Jahre erst aufbauen. Wir haben vor allem auf junge Erstautoren gesetzt, bei denen wir großes Potenzial sahen. Ein großes Glück in der Anfangszeit waren für uns zwei erfahrene Agentenkolleginnen, die uns ihren Rat anboten und die wir alles fragen konnten. Von vielen Seiten bekamen wir zu hören: Ihr müsst euch im Klaren sein, dass es lange dauert, bis eine Literaturagentur richtig läuft. Man muss wirklich viel investieren und die Provisionen sind zu Anfang nicht üppig, auch kann es manchmal anderthalb Jahre oder sogar länger dauern, bis eine Buchidee vermittelt und realisiert ist und der gesamte Vorschuss vom Verlag gezahlt ist, von dem ja wiederum unser Honorar abhängt. Also wappneten wir uns für einen langen Atem. Wir boten zusätzlich Text- und Redaktionsdienstleistungen sowie Ghostwriting an, all das gehört auch heute noch zu unserem Leistungsspektrum. Und wir tauschten uns mit anderen jungen Agentinnen aus. Das gab uns Mut dranzubleiben. Wir kannten die schönen Seiten der Agententätigkeit ja aus unserer Zeit im Verlag: Buchprojekte entwickeln, umsetzen und mit den Autoren zusammenarbeiten. Das wollten wir unbedingt weitermachen!“

2. SCHRITT: Vertrauensvollen Austausch aufbauen

„Wir haben einige Jahre gebraucht, bis wir wirklich gute Kontakte in die Verlagshäuser hatten. Mittlerweile – nach gemeinsamen erfolgreich beendeten Projekten – pflegen wir mit vielen Lektoren einen vertrauensvollen Umgang, bei dem man sich über Ideen bereits im Anfangsstadium austauscht. Gerade im Bereich Sachbuch, auf den wir uns spezialisiert haben, ist das sehr hilfreich. Jetzt, wo dieser Austausch gegeben ist, beginnt die Arbeit noch viel mehr Spaß zu machen. Wir können so direkt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Verlagslektoren eingehen und gemeinsam Buchideen entwickeln. Viele unserer Autorinnen und Autoren, die wir als Erstautoren aufgebaut haben, arbeiten jetzt an Folgeprojekten. Wir begleiten sie bei der Ideenfindung und denken gemeinsam mit ihnen über neue Projekte nach, überlegen, in welchen Verlagshäusern sie am besten aufgehoben sind, vermitteln Gespräche mit Lektoren usw. Wenn dann die richtigen Leute zusammenkommen und eine schöne Idee entwickeln, die auch realisiert werden kann und viele Leser findet, ist das ein tolles Gefühl.“

3. SCHRITT: Auf Deinen Bauch hören. Und auf den Deiner Mitinhaberin.

„Es gibt keine klassische Ausbildung, kein spezielles Studium oder DEN Weg, um Agentin zu werden. Drei Dinge zählen meines Erachtens: gute Verlagskontakte zu haben, um als Vermittlerin ins Spiel zu kommen. Im Verlags- und Lizenzrecht immer auf dem Laufenden zu sein (möglicherweise auch einen guten Medienanwalt an der Seite zu haben), um Autoren beraten und ihre Verträge und Honorare mit den Verlagen bestmöglich verhandeln zu können. Und natürlich: den Buchmarkt gut zu kennen, um Buchprojekte bewerten und einordnen zu können. Dazu gehört auch, immer am Puls der Zeit zu bleiben: Verlagsprogramme, Trends, die Zielgruppe bzw. Leser kennen. Immer offen und durchlässig für neue Themen sein, für das, was in Zukunft für die Menschen relevant sein wird – denn ein Buch braucht ja für seine Entstehung einen gewissen Vorlauf.
Ich bin froh, die Agentur gemeinsam mit Marion Appelt zu leiten, wir haben einen ständigen Austausch und geben uns gegenseitig Feedback. Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt: Oft verlasse ich mich neben objektiven Kriterien und Erfahrungswerten auch auf mein Bauchgefühl. Und auf das Bauchgefühl meiner Kollegin als Korrektiv. Es hat sich gezeigt: Mit einem guten Gefühl eine Idee und einen Autor zu vertreten bringt am sichersten Erfolg.“

Foto Treppe Klappholttal: Irene Ferchl

Autorin: Dörte Kanis

Kulturwissenschaftlerin, Schlussredakteurin für (Fach-) Zeitschriften, Lektorin für Sachbücher und Stiftungspublikationen, Autorin in Hamburg ++++
Lieblingslied: „Im Zweifel für den Zweifel“ von Tocotronic +++
Wichtigstes Gartenwerkzeug: Liste der schneckenresistenten Stauden +++
Lieblingskuchen: Russischer Zupfkuchen und Mohn-Streusel +++

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